Potzblitz.
Mein Tagebuch funktioniert wieder. Komischerweise tut es das immer nur, wenn ich gerade keine Zeit habe. Vorgestern z.B. hatte ich welche. Vorvorgestern auch. Mit Kaffee und Keks gerüstet ließ ich noch einmal die Fingergelenke knacken, um danach frisch ans Werk gehen zu können. Leider blieb es nur bei dem Vorhaben.
Nun denn. Eben wurde ich mit 10 frischen Spams begrüßt, das sieht doch fast so aus, als wäre alles wieder beim Alten.
Momentan beschäftige ich mich damit, meinen Klienten mitzuteilen, dass sie ab nächster Woche Montag in anderen Räumen erscheinen dürfen. “Hui, Tante Heinz, das geht aber schnell. Ist denn alles schon fertig?” “Nein, aber kommen Sie trotzdem, Sie haben keine andere Wahl. Ich bin da, das sollte reichen. Immerhin, Sie können sitzen. Erwarten Sie bitte keine Spirenzchen. Bilder an den Wänden gibt’s nicht.”
Am Wochenende hat T. seiner kindlichen Neigung nachgegeben und sich einen ferngesteuerten Indoor-Hubschrauber gekauft. Seither surrt es permanent in dieser Wohnung. Immerhin, nach sieben Minuten ist der Spaß vorbei, dann ist nämlich der Akku leer. Absehbarer Nerventerror quasi. Nicht nur für mich, sondern auch für die beiden Kampfkatzen, die wahrscheinlich bald mit abheben, wenn sie weiterhin nicht davon absehen, die Rotorblätter zu bekämpfen.
Nach 25 Minuten himmlischer Ruhe geht’s dann allerdings weiter, so lange braucht das Ding nämlich, um wieder zu alter Frische zu gelangen. Berechenbar schnell stürzt der Herr Hubschrauber momentan noch ab. “Vermeiden Sie Abstürze.”, steht in der Bedienungsanleitung. Okay. Ich glaube, bald ist er dahin, der fliegende Freund.
Am Freitag habe ich zum ersten Mal, seitdem wir hier wohnen, die Nachbarschaftshilfe auf Herz und Nieren testen dürfen. Leere Umzugskartons in den viel zu kleinen Kofferraum gewuchtet, Kofferraum nicht zubekommen, Schlüssel in den Kofferraum gelegt, nochmal kräftig gedrückt, Kofferraum zugemacht. Toll. Tante Heinz steht im tiefen Schnee und die Wohnung bleibt ihr für immer verschlossen. Dafür sind die Umzugskartons im Auto und der Haustürschlüssel passt auf sie auf.
Der Herr Nachbar, der die Lage vom Fenster aus bereits gecheckt hatte, eilte mir geflissentlich zur Hilfe und brachte mich höchstpersönlich zu meinen Eltern, die den Ersatzschlüssel horten. Bisher sind wir nämlich noch nicht dazu gekommen, einen im direkten Umfeld zu vergraben. Dabei kam auch er auf seine Kosten, schließlich hatte er genau 6 km Zeit, Tante Heinz über ihr Leben zu befragen.
Am Ende waren wir beide glücklich. Ich im sicheren Hafen meiner Wohnung, er mit den neuesten Infos über die Frau, die so spät am Morgen die Jalousien hochzieht und ihre Fenster seit Einzug noch nicht geputzt hat. Immerhin hat er mich nicht gefragt, warum sich die Hand meines Mannes in den letzten Wochen permanent zwischen den Beinen befindet.
Beim nächsten Mal fragt er mich wahrscheinlich, warum in unserer Wohnung ein kleines Ding herumfliegt, das in regelmäßigen Abständen vor die Fensterscheibe kracht. Ich hoffe allerdings, dass wir bis dahin eine Notlösung gefunden haben, die mich davor schützt, noch einmal in die gleiche Situation zu kommen.