Kampf gegen die Schwerkraft
Die Grenzen meiner pflegerischen Tätigkeiten habe ich gestern erfahren, nachdem ich T. helfen wollte,sein Suspensorium zu wechseln. Also dieses blütenweiße Hodenhalterdings mit den Strapsen dran, die den Hoden helfen, nicht ihren Inhalt auf den Boden fallen zu lassen.
Heldenhaft habe ich am Tag zuvor der Apothekerin erklärt, was ein Suspensorium ist. Die Kolleginnen hinter der Theke waren sehr interessiert. Dem Herrn Apotheker mit der tollen Stimme verschlug es dieselbige, denn der hatte nach meinen Erklärungen gar keine Fragen mehr. Das Gesicht schmerzverzerrt gab er die Bestellung ein.
Nachdem ich am Dienstag dem Herrn Doktor beiwohnen durfte, der den ersten Verbandswechsel übernahm, dachte ich: “Kein Ding für Tante Heinz. Zackzack, und schon ist das Suspensorium wieder dran am besten Stück des Herrn T.”
Gestern jedoch wurde mir ein wenig blümerant. Schließlich konnte ich T.’s Hodenschnitte aus nächster Nähe betrachten. Und das ist nicht gerade das, was eine Gattin gerne sieht. Zumindest ich nicht. Hatte mich da härter eingeschätzt. Erschwerend hinzu kam T.’s angespannte Atmung, weil er während der Prozedur verständlicherweise Angst davor hatte, ich könne ihm ernsthafte Schäden zufügen.Aber man lernt nie aus.
Habe ihn nun offiziell davon befreit, der Geburt unserer Drillinge beizuwohnen und danke Gott, dass er mich von einem Medizinstudium abgehalten hat.
Heute morgen hat er’s alleine probiert, und siehe da: Ich bin erlöst. Nicht nur ich bin darüber erleichtert.
Insgesamt geht’s uns eigentlich ganz gut. Mal abgesehen von der Tatsache, dass mein Mann sich immer noch nur in Zeitlupe von einem Zimmer ins andere bewegen kann und das Bücken nach dem Katzenklo schon eine echte Herausforderung ist. Schätze mal, der Herr Hausarzt wird ihm heute noch eine nette kleine Krankschreibung verpassen.
T. jedenfalls lässt keine Gelegenheit aus, die männliche Bekannt- und Verwandtschaft über seine OP aufzuklären. “Sohn, hör auf, hör auf…” waren die Worte seines Vaters, der höchstwahrscheinlich das persönliche Überbringen des 1A-Nusskuchens für kranke Söhne bitterlich bereute.
Der Brief inkl. Befundanforderung an Minden ist raus, ich befinde mich im Ziellauf zum Wochenende und heute abend wird mindestens eine Flasche Wein aufgerissen.
Freitag, 9 März 2007 um 3:22 nachmittags
Autsch….
Ich kann mir gut vorstellen, das es weh tut….aber das ist wirklich heldenhaft, das Du ihm dann die Geburt “erläßt”…wäre bei uns ähnlich…bei einer spontanen Entbindung hätte Carsten auch das Weite gesucht, wenn es ernst würde. Mittlerweile wissen wir, das es nur mit einer Sectio gehen wird…und da kommt er dann mit, falls es mal so weit kommt…
LG
Katja
Samstag, 10 März 2007 um 12:41 nachmittags
Uiii,
Ich leide mit.
Kann mir das alles schon wieder viel zu bildlich vorstellen, und kann durchaus nachvollziehen, das man angesichts der Krankengeschichte lieber das Weite sucht ,nähere Beschreibungen unerwünscht!
Mir reicht es schon, das “Männe” keine Gelegenheit auslässt, von seiner, er nennt Sie so schön, Kopf-OP, das klingt dramatischer als Polypen-OP zu erzählen.
Und da, bis auf den verlorenen Geruchssinn nichts spektukulär schiefgelaufen ist, erzählt er gerne, das ein oder andere Annekdötchen, das im Krankenhaus die Runde gemacht hat, über extreme Schwellungen, Blut, das aus dem Auge tropft, ich erzähl lieber nicht weiter, es gibt schönere Geschichten.
Ich wünsche T. und Dir von Herzen schnelle Heilung.
Liebe Grüße
Bärbel
Samstag, 10 März 2007 um 1:12 nachmittags
Aua, ich glaube das bei meinen Mann der Spaß vrbei gewesen wäre wenn der Herr Doktor ihm ans seinem Besten Stück hätte Herrumschnippeln wollen. Also Respekt Herr T.
Samstag, 10 März 2007 um 1:20 nachmittags
Oh Schmerz!
Ich glaube mit besten Gewissen zu behaupten zu können, das mein Mann spätestens an dieser Stelle, und trotz hohem Optimismus meiner Seites unseren Kinderwunsch übels verworfen hätte. Nein Rumschnippeln an seinen Goldstücken- das ginge gar nicht.
Also Respekt Herr T.
Und ich wünsche euch alles Erdenklich Gute und bin mal Gespannt, was du dann noch so Zu berichten hast wenn es wirklich mit Drillingen klappen solle.
Ich bin nämlich die letzten Zwei Tage ein großer Fan von deinem Geschreibel geworden, und kann nur sagen mach weiter so.
Viele Grüße
Die Kurze
Sonntag, 11 März 2007 um 11:10 vormittags
Gute BEsserung!
Also Herr T. der ganze Respekt der Männerwelt ist ihnen sicherlich sicher und einer jeden Frau sowie so, was sie für ihr Tantchen tun und für ihrer beider Kinderwunsch! Für Euch beide hoffe ich, dass ihr belohnt werdet für so viel Heldenmut und Einsatz und das eure Liebe und Kampfesgeist gesegnet werde von so vielen Ts und Tantchens wie möglich! LG Eilein
Samstag, 17 März 2007 um 9:34 nachmittags
Huhu Tantchen,
ist alles ok bei Euch?? Ich bin leicht in Sorge??
LG
Katja
Sonntag, 18 März 2007 um 7:18 vormittags
Huhu Katja,
keine Sorgen machen, alles okay soweit. Für mich hat gerade die heiße Phase des Praxisumzugs begonnen und ich habe ein deftiges Zeitproblem.
Schreibe morgen mal wieder ein paar Neuigkeiten.
Liebe Grüße,
Tante Heinz