Archive forMärz, 2007

Endspurt

So. Halb acht. Zeit, ein paar Millionen Kisten ins Auto zu schmeißen. Wenn sie nur schon voll wären. Hoffe, dieser Tag hat genügend Stunden.

Morgen um 11 kommt der Meister der Erbsenzähler, der mir die Erlaubnis erteilen soll, in genau diesen Räumen weiterzuarbeiten. Beim Gedanken daran wird mir dezent schlecht. Erstens kann ich mir einen entspannteren Sonntagmorgen vorstellen und zweitens gehe ich seit drei Nächten das Szenario durch, was passiert, wenn er etwas zu bekritteln hat. Erkennbar an meinem Kiefergelenk, dass nachts ganze Arbeit leistet, damit der Zahnarzt in den nächsten Wochen auch ordentlich was zu tun bekommt.

Mal wieder habe ich alles zeitlich sehr knapp bemessen. Aber weil man ja unter Druck am effektivsten arbeiten soll, wird das heute schon irgendwie gutgehen.

Gestern nachmittag hat sich der kleine Exvermieter in mein Ex-Blumenbeet gesetzt und klar Schiff gemacht. Muss ja zumindest von außen nett aussehen, deswegen wurden erstmal zwei Büsche eingepflanzt, die ihn um Längen überragten. Außerdem hatte ich es wochenlang geschafft, ihm gar nicht erst zu begegnen, das war überaus entspannend. Merke erst, seitdem ich meine Wäsche in den Keller transportieren kann, ohne von der Seite angelabert zu werden, wie sehr ich unter Verfolgungswahn gelitten habe. “F. ist da? Okay, ich wasche morgen.”

Gestern jedoch hatte er sich vorgenommen, mich abzufangen, um blöde Fragen zu stellen. Es hätte in Strömen regnen können, er wäre trotzdem im Beet sitzengeblieben.
Wieder meinte es das Schicksal gut mit mir. Denn bevor ich die Praxis verlassen konnte, kam T. am Blumenbeet vorbei. Armer T. Wieder einmal musste er Rede und Antwort stehen und die ein Meter hohe Neugierde befriedigen.

Nun denn. Er weiß jetzt, dass der Umzug für heute angesetzt ist, und wird es sich nicht nehmen lassen, zwischen den vielen geschäftigen Beinen durchzuwuseln, um sich in der Praxis festzutackern und uns aufzuhalten. So war’s schon beim Privatumzug. Und täglich grüßt das Murmeltier.

Das Dorf hat Mitleid mit dem armen kleinen Mann, dem nun auf gleich zwei Etagen gähnende Leere entgegenblickt. Böse Tante Heinz. Selbst meine Mutter ist beim Metzger nicht sicher davor, auf diesen gemeinen Umstand angesprochen zu werden.

Pfffff. Neun Jahre habe ich mich mit ihm abgeplagt. Mich hat er auch nicht geschont. Ein Frauenproblem hat er sowieso. Ein Problem mit selbständigen Frauen erst Recht. Und ein Problem mit Frauen, die über 1,80 sind, setzt dem Ganzen noch die Krone auf.

Kleinwüchsigen Vermietern lässt man einfach viel zu viel durchgehen. Aus purem Mitleid. Und genau deswegen benehmen sie sich auch wie die Axt im Wald. Habe lange gebraucht, um das einzusehen.
Heute heißt es also nochmal Zähne zusammenbeißen und blöde konservative Kommentare schlucken. Und danach die Segel streichen.

Heute erwarten uns zum letzten Mal sinnige Fragen, wie z.B. “Schwere Kiste?” wenn man mit allerletzter Kraft vollbeladen die Treppe hochstolpert. Oder “Habt ihr die Wände gelb gestrichen?”, während man in einem definitiv gelben Raum steht.

Mein Mann ist im Übrigen am Mittwoch zu Ikea gedüst, um Tischbeine umzutauschen. Der Gute. Ich hatte nämlich so gar keine Zeit. Und was bringt er mir neben den Tischbeinen mit? Vorhänge für’s Schlafzimmer. Bin beinahe zusammengebrochen. Das muss das zusätzliche X-Chromosom sein. So langsamwird es mir sympathisch. Kann man eigentlich nicht genug von haben, von so schnuckeligen kleinen Chromosömchen.
Da verzeiht man doch gerne die Tatsache, dass er, während ich unter Einsatz meines Lebens Schränke aufbaue, das Hubschrauberfliegen übt, weil die Räume so schön leer waren und die Absturzgefahr gen Null tendierte.

Im Ernst: Ohne T. hätte man mich in den letzten Wochen schon längst einweisen können. Die Erfahrung lehrt: Noch so eine Gewaltaktion, wie die noch nicht ganz vergangene, werden nicht wieder vorkommen. Das steht fest.

So. Und jetzt gehe ich wirklich Kisten packen. Und nächste Woche wird Termin in GÖ gemacht.

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Potzblitz II

Nuja,
so’n Hubschrauber wollte ich immer schon mal fliegen. Blöderweise kosten die mit schickem Verbrennungsmotor mindestens 1.000 Öcken! Und nachdem ich mal gesehen habe, wie jemand 3.000 DM in einer Wiese versenkt hat, nachdem das Goldstück ca. 8 Sekunden in 1m Höhe geschwebt hat, war klar, dass das T-Pünktchens Konto nicht hergibt.
Die Indoor Variante ist dagegen der Knaller! Aus Styropor! Mit nem flotten E-Motörchen und nem schwachen Akku. Aber der Spaß ist supi! Und die Abstürze sind durchaus verträglich….
(hatte ich erwähnt, dass die Katzen derzeit unterm Bett wohnen…?)

Tante hat natürlich verschwiegen, dass ich im kindlichen Einkaufsrausch noch eine Neuerwerbung “geschossen” habe:

Den “kitzelmich-Ernie”!

Okay, ich bin 38! Aber das ist nun wirklich der Oberknaller!!!!

Ernie aus der Sesamstraße! Genauso wie man ihn kennt! Ca. 40cm groß mit einigen Batterien in den Schuhen. Drückt man Ihm auf den Schuhen rum, beginnt der Bursche loszubölken mit der bekannten “Ernie-Stimme” und wälzt sich mit der bekannten Ernie-Lache über den Fußboden…da bleibt kein Auge trocken. Das ist wirklich überaus ansteckend und für große (und kleine) Kinder ein echter Hype! Da auch der Karton “spricht”, konnte ich die Wirkung im Laden gleich testen und der Erfolg des Kartons war schon ziemlich gut bei den Schröcheln….! (Habe kurzzeitig überlegt den Bruder dort auszupacken, habe es aber um Tantchen zu schonen dann doch lieber gelassen…!)

Okay, Tantchens Randbedingungen sind gerade eher nicht so flott:

-Praxisumzug
-Organisationsstress
-n Hubschrauber in der Wohnung
-ein schreiender Ernie auf dem Boden
-ein kindlicher Gatte
-verschreckte Psycho-Katzen

Aber dafür scheint heute die Sonne!

Hurra!

T.

Ps: Wieso kann ich “kursiv” nicht mehr einstellen?

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Potzblitz.

Mein Tagebuch funktioniert wieder. Komischerweise tut es das immer nur, wenn ich gerade keine Zeit habe. Vorgestern z.B. hatte ich welche. Vorvorgestern auch. Mit Kaffee und Keks gerüstet ließ ich noch einmal die Fingergelenke knacken, um danach frisch ans Werk gehen zu können. Leider blieb es nur bei dem Vorhaben.

Nun denn. Eben wurde ich mit 10 frischen Spams begrüßt, das sieht doch fast so aus, als wäre alles wieder beim Alten.

Momentan beschäftige ich mich damit, meinen Klienten mitzuteilen, dass sie ab nächster Woche Montag in anderen Räumen erscheinen dürfen. “Hui, Tante Heinz, das geht aber schnell. Ist denn alles schon fertig?” “Nein, aber kommen Sie trotzdem, Sie haben keine andere Wahl. Ich bin da, das sollte reichen. Immerhin, Sie können sitzen. Erwarten Sie bitte keine Spirenzchen. Bilder an den Wänden gibt’s nicht.”

Am Wochenende hat T. seiner kindlichen Neigung nachgegeben und sich einen ferngesteuerten Indoor-Hubschrauber gekauft. Seither surrt es permanent in dieser Wohnung. Immerhin, nach sieben Minuten ist der Spaß vorbei, dann ist nämlich der Akku leer. Absehbarer Nerventerror quasi. Nicht nur für mich, sondern auch für die beiden Kampfkatzen, die wahrscheinlich bald mit abheben, wenn sie weiterhin nicht davon absehen, die Rotorblätter zu bekämpfen.

Nach 25 Minuten himmlischer Ruhe geht’s dann allerdings weiter, so lange braucht das Ding nämlich, um wieder zu alter Frische zu gelangen. Berechenbar schnell stürzt der Herr Hubschrauber momentan noch ab. “Vermeiden Sie Abstürze.”, steht in der Bedienungsanleitung. Okay. Ich glaube, bald ist er dahin, der fliegende Freund.

Am Freitag habe ich zum ersten Mal, seitdem wir hier wohnen, die Nachbarschaftshilfe auf Herz und Nieren testen dürfen. Leere Umzugskartons in den viel zu kleinen Kofferraum gewuchtet, Kofferraum nicht zubekommen, Schlüssel in den Kofferraum gelegt, nochmal kräftig gedrückt, Kofferraum zugemacht. Toll. Tante Heinz steht im tiefen Schnee und die Wohnung bleibt ihr für immer verschlossen. Dafür sind die Umzugskartons im Auto und der Haustürschlüssel passt auf sie auf.

Der Herr Nachbar, der die Lage vom Fenster aus bereits gecheckt hatte, eilte mir geflissentlich zur Hilfe und brachte mich höchstpersönlich zu meinen Eltern, die den Ersatzschlüssel horten. Bisher sind wir nämlich noch nicht dazu gekommen, einen im direkten Umfeld zu vergraben. Dabei kam auch er auf seine Kosten, schließlich hatte er genau 6 km Zeit, Tante Heinz über ihr Leben zu befragen.

Am Ende waren wir beide glücklich. Ich im sicheren Hafen meiner Wohnung, er mit den neuesten Infos über die Frau, die so spät am Morgen die Jalousien hochzieht und ihre Fenster seit Einzug noch nicht geputzt hat. Immerhin hat er mich nicht gefragt, warum sich die Hand meines Mannes in den letzten Wochen permanent zwischen den Beinen befindet.

Beim nächsten Mal fragt er mich wahrscheinlich, warum in unserer Wohnung ein kleines Ding herumfliegt, das in regelmäßigen Abständen vor die Fensterscheibe kracht. Ich hoffe allerdings, dass wir bis dahin eine Notlösung gefunden haben, die mich davor schützt, noch einmal in die gleiche Situation zu kommen.

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….Er fuhr Fordt…

Genau. Hatte mir halt gedacht, wenn MANN sich die Hoden filetieren lässt, darf so’n kleiner “Ritt” zum Doc doch kein Problem sein. Wars auch nicht. Das Problem war das sterbende Pferd 2m vorm Drive-In. Gottseidank haben mich tapfere Mac Made Indianer (Made-> für Insider -> Donalds für alle Anderen) zum Parkplatz geschoben, wo ich dann erstmal dumm rum stand und mir Blasen an die Finger telefoniert hab.

(Sollte ich erwähnen, dass Tantchen in Sichtweite durch den Kreisverkehr düste, als ich mich gerade wohnlich auf dem Parklplatz eingerichtet hatte?)

Schlußendlich bin ich dann nach einigem Getöse nach Hause und der Corsa zum Händler gekommen. Hoden leicht gestresst, Corsa in den letzten Zügen.

1. Motorsteuerung im Eimer 2.Zylinderkopfdichtung “frack” 3.Zylinderkopf verzogen

Danke Herr Opel. Supi Diagnose. Nun fahre ich dennoch fort, und zwar mit Ford. ENDLICH mal kein rotes Auto. Obwohl mir Autos eigentlich immer herzlich egal waren (die die ich gut finde, kann ich mir eh nicht leisten), hat mich die Farbe “Rot” immer sehr gestört. Blöderweise waren fast alle meine Autos rot. Nun ist aber Schluss, denn der Ford ist schwarzblau. WOW! Er hat sogar nen CD-Player! Ich kann endlich wieder Zappa hören, ohne Tantchen unnötig zu stressen…das fördert auch die Hodenheilung…!

Der erste “Auftritt” in der Firma war dann doch denkwürdig: Alle wissen Bescheid! T. hatte ne Hoden-OP!

Woher die das wissen, kann ich vermuten. Schließlich arbeitet die Frau des Betriebsleiters auch in der Firma und der wurde von mir informiert. Die Dame plappert halt gerne. Ob die den schlussendlichen Grund auch noch kennen, weiß ich nicht. Falls ja, sind die blöden “WiesowolltIhrkeineKinder-Kommentare” endlich vorbei!

Ich habe festgestellt, dass die Herren der Schöpfung diese Information in schwachen Witzchen verarbeiten möchten, während sich die Damen in völlig hilfloser “Ignoranz” versuchen und selbst dabei analog zu den Herren kläglich scheitern … *grins*

Wie dem auch sei. Ich bewege mich mit stoischer Langsamkeit. Weigere mich konsequent Dinge zu heben und genieße den Status der momentanen Unnahbarkeit. Ich werde diesen Zusatnd natürlich nicht überstrapazieren, aber den zeitweiligen Genuss werde ich mir natürlich gönnen!

Die Lachnummer von Dr. B. ist inakzeptabel. Wenn wichtige Diagnosen vorliegen, dann sagt man das dementsprechend deutlich und kaspert nicht so rum. Vor allen Dingen nicht, wenn Tantchen die Wichtigkeit am Telefon noch abklopft. Das ist unprofessionell und unter Berücksichtigung der Diagnose mehr als inakzeptabel. Verlangt Dr. B. für diesen Bericht Geld (wäre Ihm zuzutrauen), werde ich dem zertifizierten Unternehmen das Schreiben als waschechte Reklamation um die Ohren “hauen”! Dann gibts nix zu berechnen. Außer hausinternen Reklamationskosten - die sehr schnell sehr hoch werden können, je nach dem wie zeckig der Reklamierende ist. (….ist ja schließlich mein Job, das Theater!)

So, nun muss ich aber ma’ wieder was umsetzen! Ist schick wenn man DSL im Büro hat und als Netzadmin relativ frei über die Ressourcen verfügen kann …

T.

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Ein Hoch auf den Alltag

43 Spam-Kommentare über Nacht, das nenne ich doch mal einen richtig guten Schnitt… Da hat man ja richtig Angst, zwei Wochen in Urlaub zu fahren, wer weiß, was dann in meiner Kommentarrubrik los ist.

Kurz zu unserer Lage:

T. geht wieder arbeiten. Seit heute. Und wider Erwarten hat er den Automatismus “Hand hält Hoden beim Laufen fest” abgelegt. Man kann ihn also wieder auf die Allgemeinheit loslassen. Das heißt, die Lage ist gut. Es wurde aber auch höchste Zeit, denn so richtig gesprüht vor Lebensfreude hat er in der zweiten Krankschreibungswoche nicht. Anscheinend wurde es ihm ein bisschen langweilig.

Meine Lage ist somit auch gut, denn endlich können wir uns wieder an den Alltagstrott gewöhnen. Kein schlummernder Gatte mehr, wenn ich morgens das Haus verlasse. Kein gähnender Gatte mehr auf der Couch, wenn ich mittags auf ein Butterbrot vorbeikomme. Arbeitsmotivation meinerseits enorm gestiegen.

T. war im Übrigen sehr ungehorsam. Er ist vorletzte Woche höchstpersönlich mit seinem Auto heimlich zum Arzt gefahren, obwohl wir es ihm alle untersagt hatten. Die Strafe folgte auf dem Fuße: Vor dem Drive-In, an dem er sich für seine Tapferkeit beim Arzt belohnen wollte, streikte der Motor seines Autos. Mit aufgeschnittenem Hoden nicht so richtig lustig, schließlich wusste selbst T., dass Auto schieben seiner Heilung eher kontraproduktiv entgegenwirkt.
Also ließ er sich schieben. Das Auto sprang sage und schreibe noch einmal an, fuhr bis zum Opel-Vertragshändler, der uns am darauffolgenden Tag keinerlei Hoffnung auf Wiederinstandsetzung machen konnte.

Schick. Ein neues Auto war jetzt nicht so richtig geplant, was unser Budget betrifft. Neben schmerzenden Hoden nun auch noch ein schreiendes Konto. Nun fährt er Ford. Ich weiß nicht, wie ich das finden soll. Heute abend wird das Auto erst einmal auf Herz und Nieren getestet.

Ich für meinen Teil bin tatsächlich gestresst. Der Praxisumzug naht, ich weiß nicht mehr, wo mir der Kopf steht, schließlich arbeite ich nebenbei noch ein bisschen, und - man muss mal wieder zugeben, wir haben 1a geplant - T. darf nichts heben. Aber die Generalaufsicht beim Möbelaufbau habe ich ihm übertragen. Er sitzt auf dem Stuhl und gibt Anweisungen. Das nenne ich gerechte Arbeitsteilung.

Dr. B. hat uns unsere Behandlungsunterlagen geschickt, die sich auf einen Zettel beschränken und die Aussage, dass er nach seinem ärztlichen Verständnis böse Diagnosen gerne persönlich erklärt. Was ich persönlich ja auch sehr lobenswert finde, würde einem vorher mal mitgeteilt, dass eine böse Diagnose wartet. Aus Pillepalle-Telefonaten, wann wir denn mal wieder einen kleinen Ausflug nach Minden einplanen, damit der Herr Doktor sich zwischen “Akte im Regal” und “Akte auf dem Schreibtisch” entscheiden kann, höre ich keinerlei Dringlichkeit heraus. Aber vielleicht bin ich auch zu streng in meinem ärztlichen Verständnis.

Nun denn. Die ausstehenden Öcken von 3,15 habe ich ihm überwiesen, allerdings vermute ich eine erneute Rechnungsstellung für besagten Bericht. Da lasse ich mich doch mal gepflegt überraschen.

So. Und wenn hier jetzt schon wieder der Server zusammenbricht, nur weil ich mal wieder versuche, einen klitzekleinen Tagebucheintrag zu erstellen, dann gibt’s Saures.

Und wieso ertränken Katzen ihre Spielmäuse eigentlich im Wassernapf, um sie danach triefend durch die Wohnung zu schleudern? Hat das irgendeinen Sinn, mal abgesehen von der Tatsache, dass die Katzenhalterin die Krise bekommt, weil sie mit nassen Socken in ihre Schuhe steigen muss?

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Kampf gegen die Schwerkraft

Die Grenzen meiner pflegerischen Tätigkeiten habe ich gestern erfahren, nachdem ich T. helfen wollte,sein Suspensorium zu wechseln. Also dieses blütenweiße Hodenhalterdings mit den Strapsen dran, die den Hoden helfen, nicht ihren Inhalt auf den Boden fallen zu lassen.

Heldenhaft habe ich am Tag zuvor der Apothekerin erklärt, was ein Suspensorium ist. Die Kolleginnen hinter der Theke waren sehr interessiert. Dem Herrn Apotheker mit der tollen Stimme verschlug es dieselbige, denn der hatte nach meinen Erklärungen gar keine Fragen mehr. Das Gesicht schmerzverzerrt gab er die Bestellung ein.

Nachdem ich am Dienstag dem Herrn Doktor beiwohnen durfte, der den ersten Verbandswechsel übernahm, dachte ich: “Kein Ding für Tante Heinz. Zackzack, und schon ist das Suspensorium wieder dran am besten Stück des Herrn T.”

Gestern jedoch wurde mir ein wenig blümerant. Schließlich konnte ich T.’s Hodenschnitte aus nächster Nähe betrachten. Und das ist nicht gerade das, was eine Gattin gerne sieht. Zumindest ich nicht. Hatte mich da härter eingeschätzt. Erschwerend hinzu kam T.’s angespannte Atmung, weil er während der Prozedur verständlicherweise Angst davor hatte, ich könne ihm ernsthafte Schäden zufügen.Aber man lernt nie aus.

Habe ihn nun offiziell davon befreit, der Geburt unserer Drillinge beizuwohnen und danke Gott, dass er mich von einem Medizinstudium abgehalten hat.
Heute morgen hat er’s alleine probiert, und siehe da: Ich bin erlöst. Nicht nur ich bin darüber erleichtert.

Insgesamt geht’s uns eigentlich ganz gut. Mal abgesehen von der Tatsache, dass mein Mann sich immer noch nur in Zeitlupe von einem Zimmer ins andere bewegen kann und das Bücken nach dem Katzenklo schon eine echte Herausforderung ist. Schätze mal, der Herr Hausarzt wird ihm heute noch eine nette kleine Krankschreibung verpassen.

T. jedenfalls lässt keine Gelegenheit aus, die männliche Bekannt- und Verwandtschaft über seine OP aufzuklären. “Sohn, hör auf, hör auf…” waren die Worte seines Vaters, der höchstwahrscheinlich das persönliche Überbringen des 1A-Nusskuchens für kranke Söhne bitterlich bereute.

Der Brief inkl. Befundanforderung an Minden ist raus, ich befinde mich im Ziellauf zum Wochenende und heute abend wird mindestens eine Flasche Wein aufgerissen.

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Partytime

Wenn mir vor 10 Jahren einer erzählt hätte, dass ich mich einmal freiwillig unters Messer lege, damit
mir die Hoden filetiert werden, ich hätte sofort nach dem Stöffchen verlangt, das mein Gegenüber
scheinbar intus hat…

Heute ist es erstmals so, dass ich nicht permanent das Gefühl habe, dass ein sehr zorniges Muli seine
Hufe zwischen meinen Beinen platziert hat und auch das der Schwerkraft zugewiesene Ziehen ist
einigermaßen akzeptabel, sodass ich nun eine (..verm. höchst amüsant ausschauende) Sitzposition
eingenommen habe, um ein wenig zu bloggen!

Wie auch schon von TH beschrieben, bin ich das Thema angegangen, indem ich mich nach der Entscheidung zum “Schnitt” jeden weiteren Gedankens verwehrt habe, da mir jeder tiefschürfende Gedanke zum Akt an sich höchstes Ungemach bereitet hat, getreu dem Motto “Augen zu und durch”.

Wir sind also morgens in aller Herrgottsfrühe gen Hamburg losgezogen um deutlich zu früh dort
einzutreffen. Aber es musste einkalkuliert werden, dass wir ggf. in Skt. Georg rauskommen oder noch
weiter neben dem eigentlichen Ziel. Aber wir sind “straight” am Zielort eingeschlagen.

Ähnlich eingeschlagen ist dann auch das Gespräch mit der Ärztin, die uns die befremdliche Diagnose
“Klinefelter” übermitteln durfte. Die Frage, ob ich denn nun doch den “Schnitt” wagen würde, empfand
ich als ziemlich unnötig. Zum einen dient eine Hodenbiopsie der Krebsvorsorge, zum Anderen wollte ich
Klarheit über meine etwaige Fortpflanzungsfähigkeit. Also warum sollte ich wieder nach Hause fahren?
Zumal ich mich bereits in einer gemütstechnischen Grauzone befand, in welcher ich durchaus auch einen Bungeesprung vom Michel gewagt hätte….(ich hasse Bungee!)

Sämtliche aus der Diagnose resultierenden Werte habe ich nicht mal ansatzweise in meine Nähe kommen lassen und erst jetzt sickern diese Resultate langsam aber sicher durch, so dass mir die Tragweite “step by step” bewusst wird. Als die Ärztin fragte, wie ich denn damit umgehen würde, da viele ein großes Problem mit dieser Diagnose haben und sich verschämt verkriechen, damit die Umwelt möglichst nichts vom Befund mitbekommt, habe ich der netten Dame gleich klargemacht, dass ich nicht bereit bin, über diese Angelegenheit zu schweigen! Das ist ein Tabu? Aha! Dann wird es Zeit, dass da mal jemand die Posaune bläst!
Also ich werde mich keinesfalls hinterm Ofen verkriechen und das Deckmäntelchen des Schweigens darüber ausbreiten!! Der Krankenkasse werde ich mal ordentlich auf die Pelle rücken und wenn das nichts hilft, der örtlichen Politik. Und wenn das auch nichts hilft, wende ich mich an die Medien. Und wenn das auch nichts hilft, fällt mir sicherlich was ein. Aber Schweigen werde ich nicht!

Nachmittags haben wir dann den Hagenbeck besucht, 30 Flocken Eintritt gelöhnt und hatten dann einen Tierpark mit ca. 100 weit gestreuten anderen Besuchern “für uns allein”! Alle Viecher haben Sondervorstellungen “nur für uns” abgeliefert (Zb. Elefanten mit Tanzeinlagen, Otter, Maras und vor
allem die Pinguine, Seebären und Affen), als wenn die uns zeigen wollten, dass alles “easy” ist.
Abends haben wir dann im Hotel gespeist, ich habe die neu ausgeschriebene Nichtraucherzone im
Restaurant gekippt (plötzlich haben alle geraucht… ;) und anschließend versucht die Nacht zu
überbrücken. Entgegen der Vorstellung habe ich besser gepennt als Tantchen. Und das, obwohl die Betten höchst fragwürdig waren…! Neue Matratzen seit Sept. 2006! Einfach drauf auf die alten! Wackelig und viel zu weich das! Tz tz tz…!

Am nächsten morgen dann gleich los. Die gemütstechnische Grauzone ist einer kompletten Nebelbank
gewichen und ich habe mich erstmals gefragt, ob ich noch Herr meiner Selbst bin! Hodenbiopsie! Brrrr!
Nach einigem Gehampel und 5 Minuten zu spät haben wir den Ort des Grauens gefunden und der “Point of no return” war mit Einnahme der “Scheißegaltablette” überschritten.
Hätte nicht gedacht, dass dieses “Klümpchen” bei mir wirkt. Habe schließlich früher viel gefeiert!!
Dass sie wirkt wurde mir dann klar, als es mir scheißegal war, ob sie wirkt…
Schwester “B” hat mich dann mit meinem schicken OP-Hemdchen im Rolli ins OP gekarrt, “Schwester Felix” hat mich auf dem Tisch festgeschnallt und anschließend stellte sich der 2te Arzt vor:

“Guten Morgen Herr T., ich bin Dr. Ungemach!”
…Ich könnte schwören, dass ich das so gehört habe, aber ich war auf Pille, weshalb ich da auch
falsch liegen kann…
“Dr. Ungemach”, na super!
Dr. Ungemach hat dann 4 leckere Spritzchen in meinem Hoden versenkt und für das Gefühl fehlen mir auch ohne Pille alle Worte…aber er macht dem Namen alle Ehre!

Einige Zeit später erschien dann noch ein grünes Männchen: “Hallo Herr T., ich bins, Prof. Dr.
Schulze! Ich habe mich etwas verkleidet!”

Okay, die feiern hier ne Party und ich bin die Show. Hoffentlich bin ich der einzige auf Pille…

Kurz darauf erschienen noch zwei grüne Gestalten, die sich als Studentinnen der Medizin entpuppten und Zuschauer waren. Doc Schulze hat die Damen dann so positioniert, dass ich die nicht mehr sehen konnte und dafür hätte ich Ihm vor Freude am liebsten ein Bier angeboten. Aber letztendlich waren mir die Hühnchen dann doch ziemlich schnuppe.
Während die beiden Herren dann gewaltig in meinem Lendenbereich “rumgezergelt” haben, wurden die
beiden Damen auf Ihre Kenntnisse des menschlichen Körpers hin abgeklopft und einige Male (zu meiner
diebischen Freude) deutlich zurechtgewiesen. “Das ist der Muskel ladingsbums und der setzt sich fort
an?” Püppi 1 antwortet wichtig irgendwas. “Falsch!” Seidenweiche aber deutliche Erklärung des Profs.
Berauschte Freude beim Patienten!

Irgendwann war die Party dann vorbei und ich wieder bei Tantchen, die mich sofort mit Futter und
Kaffee umsorgte. Die Wartezeit war unbeschreiblich. Mir war es drogenbedingt noch ziemlich wurscht.
Eigentlich wollte ich nur pennen. Immer wenn ich dann weggenickt bin, haben die Damen draußen auf
Blech geklopft. Scheinbar finden die Pennen nach einer OP doof.

Im Übrigen hatten wir ein Einzelzimmer. Was einerseits gut war, zum Anderen uns aber auch kräftig auf
der Seele drückte.
Nach einer ziemlich langen Zeit erschien dann der Godfather himself (nein, nicht Frank Zappa - so toll
war die Pille dann doch nicht!)Es war der Prof. Mit einem niedlichen blauen Körbchen!

“Herr T.-Klinefelter!” Sehr böser Blick von Tantchen!

“Das war ein guter Tag heute. Positive Ergebnisse bei den Anderen Patienten! Und auch bei Ihnen! Ich
habe in jeder Probe Spermien gefunden und sogar sehr gute! Wenn man alles zusammenschmeißt, und Ihre Frau noch ein paar hübsche Eier liefert, dann reichts für einen Versuch - das sieht wirklich gut aus.”

Scheiß Pille.
Was hat der da gesagt? Tantchen kullert kräftig Wasser aus den Augen. Ich bin ziemlich döselig und die
Worte schweben in meinem Kopf!

1 Versuch!
Wow!

Der Prof. herzt Tantchen kräftig und hat ebenfalls ordentlich Wasser in den Augen. Dann wird das
Tantchen nochmal kräftig gedrückt und irgendwie erscheint er mir wie ein Rumpelstilzchen, das
überglücklich ums Feuer hüpft.
Tantchen, kann Ihre Professionalität nicht untedrücken und klopft sofort die möglichen Praxen ab.
“Göttingen! Ich empfehle Ihnen Göttingen!” Sagts und pinnt die Adresse irgendwo auf einen Umschlag.
“Was für ein Tag!” Der Prof. ist nicht mehr zu erkennen. Der freut sich wie ein kleiner Junge über den ersten Baukasten!

“Überbringen Sie Dr.xyz in Göttingen bitte wortwörtlich folgende Nachricht von mir: Er soll sich
verdammt noch mal ordentlich anstrengen, hier ist ein positiver Klinefelter! Bitte sagen Sie es Ihm
wirklich wörtlich. Das hilft!”

Okay. Das übernehme ich persönlich!

An dieser Stelle also meinen tiefen Dank an das komplette Hamburger Team! Und an alle die kräftigst
alle Daumen gedrückt haben! An R. für die supi Eisbeutelchen, die auch jetzt wieder die Goldklunkern
kühlen!

Insbesondere jedoch an Doc Schulze.
Respekt.
Wirklich.

Okay, jetzt stehen einige Vorsorgeuntersuchungen ins Haus. Egal. Irgendwann, nach Abschluss der
Untersuchungen meiner Zellen in HH geht es an den ersten und einzigen Versuch mich zusammen mit TH fortzupflanzen und diesem Planeten ein oder zwei oder oder … Kinder zu präsentieren, die die Welt so nicht erwartet hat!

Zu Minden sage ich derzeit noch nichts. Dr. B. wird allerdings noch von mir hören!

Nachfolgend ein paar Partysmilies zum anklicken!
laola.gifclub.gif2587.gif10.gif123.gif4865.gifgitarre2.gifgrosscool.gif3358.gif7789.gifgodday.giflexy_bett.gifsmilies.gifyo.gif
T.

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Komischer Tag.

Eben an die Tanke gefahren, um dem Held des Jahres etwas Lesbares zu organisieren. Oldtimer-Zeitschriften kommen immer gut. Ebenfalls die Brausepäckchen mit Orangen- und Kirsch-Geschmack, bei denen man den beigelegten Brausestick anleckt und in die Pampe drückt. Immerhin. Ein wenig Glückseligkeit hat sich breit gemacht.

Vermutlich hat T. gerade dieselben krummen Gedanken wie ich im Kopf. Und weil er diese Gedanken ungefähr zwei Tage verarbeiten muss, bis er damit rausrückt, bin ich zum Warten verurteilt, bis ich herausfinde, was in seinem hübschen Köpfchen so rotiert.
Warten werden wir im Übrigen auch auf den Bericht, der uns für Mitte April angekündigt wurde. Bis dahin werden eh keine Maßnahmen ergriffen. Und primär müssen wir erstmal alles an Vorsorgeuntersuchungen einstielen, was bei unserem neuesten Krankheitsbild so ansteht.

Testosteron-Werte checken z.B., die durch die Gewebsentnahme höchstwahrscheinlich etwas in den Keller rutschen. Vor der TESE war noch alles im Lot. Zumindest so im Lot, dass T. demnach noch kein Testosteron zugeführt werden muss.

Die Hodenkrebsvorsorge hätten wir mit der TESE ja nun mal bestens erledigt.

Die Sache mit der Osteoporose-Vorsorge muss angegangen werden.

Das schreit alles mal wieder nach Spezialisten, und ich wage zu behaupten, dass die Spezialisten sich nicht in unserer Nähe angesiedelt haben.

So gerne ich im Off wohne, bei diesen Dingen kommt mir das kalte Grausen.

Und wenn das Thema Klinefelter in unseren Köpfen durch ist, dann können wir langsam daran denken, die Tante für den Tag der Tage flott zu machen. Vielleicht könnte sie gleich morgen mal anfangen, sich etwas gesünder zu ernähren als in den letzten zwei Wochen.

Der Herr Professor hat mir übrigens nicht Hamburg, sondern Göttingen ans Herz gelegt.

Jedenfalls ist es immer sehr gut, zwei Billy-Regale und ein böses Chaos-Zimmer in Petto zu haben. Dann ist man wenigstens ein bisschen beschäftigt. Und selbst T. ist vorbeigekommen. Schließlich habe ich seine Platten eingeräumt, und das geht nur unter seiner höchstrichterlichen Aufsicht.

Auf dem Sofa ist er allerdings immer noch besser aufgehoben, denn so richtig gut geht’s ihm nicht. Ich hoffe sehr, dass er sich morgen wieder einigermaßen schmerzfrei bewegen kann.

Denn erstens wird er es sich nicht nehmen lassen, hier persönlich Bericht zu erstatten. Und zweitens kann ich meine Pflegetätigkeit nur in der Mittagspause ausüben.

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Vom Papst gedrückt, ein medizinisches Wunder auf dem Sofa und Minden hat verloren….

Was soll ich sagen? Wir wurden in den letzten Tagen von einem Gefühlschaos ins nächste katapultiert.

Meine Finger zittern und ich bin vollkommen aufgelöst.

Vielleicht fange ich erstmal mit der Kurzfassung für eilige Leser an:

1. T. hat das Klinefelter-Syndrom. Das wissen wir seit Donnerstag und uns wurde gleich angeboten, die TESE am Freitag abzusagen und wieder nach Hause zu fahren.

2. Professor Schulze hat trotzdem Spermien gefunden. Ich liebe diesen Mann. Er konnte es selbst kaum fassen. Hat gegrinst wie ein Honigkuchenpferd und mich heulendes Elend gar nicht mehr aus seinen Armen gelassen.

3. Wir haben einen Versuch. Eine einzige großartige Chance, ein gemeinsames Kind zu bekommen.

Soviel für’s erste. Jetzt erstmal Kaffee ziehen und nach meinem medizinischen Wunder schauen gehen. Danach gibt’s die Long-Version.

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Donnerstag in aller Frühe sind wir immerhin mit der Sicherheit losgefahren, den Weg nach HH nun zu kennen. Das war angesichts des Verkehrsaufkommens auch bitter notwendig.

Täglich grüßt das Murmeltier - Termin um 11 und wir um Punkt 10 in der Tiefgarage. Immerhin hat T. nicht gesagt: “Lass uns wieder nach Hause fahren.” Das hat an diesem Tag die Ärztin für ihn übernommen.

Als klar war, dass die nette Ärztin die Voruntersuchung übernehmen würde, sah ich T. schon dezent die Fassung verlieren. (Höchstwahrscheinlich würde er mir nun gerade widersprechen - aber er ist ja nun leider ans Sofa gefesselt. *g* Er rechnete fest damit, dass die nette Dame ihm nochmal an die Hoden packen würde… ;)

Sie wollte lediglich von uns wissen, ob noch Fragen bestünden. Klaro - T. wollte zum dritten Mal bestätigt haben, dass die Spritzen nicht direkt in den Hoden gejagt werden. Ich habe in der Zwischenzeit versehentlich ihren Schreibtisch abgerissen. Nach ein bisschen Aufklärerei kam mir der Gedanke, mal nach den Blutergebnissen zu fragen.

Schließlich hatte Minden auch schon eine Chromosomenuntersuchung angeleiert. Mit Schulze waren es zwei - und nie haben wir eine Rückmeldung bekommen.

Sie schaute uns mit großen Augen an und fragte: “Ja, wissen Sie denn gar nicht Bescheid?” Blätterte etwas verwirrt in T.’s Akte und sagte dann mit entschlossener Stimme: “Gut. Dann werden Sie eben von mir aufgeklärt.”

Schicke Sache das. Die Adleraugen von Tante Heinz hatten nämlich schon die fett gedruckte Diagnose gesehen. Das war der Zeitpunkt, an dem mir der Kaffee, den wir uns vorher an der A7 genehmigt hatten, latent in den Hals gestiegen ist.

Ein X-Chromosom ist definitiv zu viel an T. vergeben worden. Und die Tatsache, dass wir das noch nicht gesagt bekommen hatten, machte die Frau Doktor ganz schön wütend. Irgendjemand wird von ihr ordentlich einen auf den Deckel bekommen haben. Gut, dass wir es nicht waren. Glaube, die Dame kann auch ganz schön rabiat werden.

Grmpf. Ich war ganz froh darüber, ins kalte Wasser geschmissen zu werden. Wer weiß, ob wir mit der Diagnose überhaupt losgefahren wären? Höchstwahrscheinlich nicht. Die 3%ige Wahrscheinlichkeit, etwas zu finden, hat uns doch etwas verstört. Schließlich sind wir vor acht Wochen noch von 50% ausgegangen.

(Kleine Bemerkung am Rande: Ich werde Minden nicht noch mal besuchen. Meiner Meinung nach wäre es die verdammte Pflicht und Schuldigkeit des Herrn Dr. B. gewesen, mir mitzuteilen, dass T.’s Chromosomenuntersuchung auffällig verlaufen ist… Statt dessen fragt er mich, wann wir denn mal wieder vorbeikommen wollen, oder ob er die Akte schließen solle. Klaro. Privatversicherte Ehefrauen bestellt man gerne mal abends um halb acht telefonisch zu einem kleinen persönlichen Plausch in die Praxis, wenn die gesetzlich versicherten Gatten ein erwiesenermaßen dem Kinderwunsch nicht gerade zuträgliches Problem haben… ;)

Während ich grummelnd mit Minden abschließ, wurde T. erklärt, dass er ab sofort regelmäßig zum Brustabtasten zum Frauenarzt müsse. Wäre die Situation nicht so tragisch gewesen, hätte mich sein Gesicht bei dieser Ankündigung zum Lachen gebracht.

Das Ausmaß des Ganzen wurde uns dann endgültig bewusst, als sie uns sagte, dass eine TESE definitv nur ein einziges Mal durchgeführt werden könne und wir nun die Möglichkeit hätten, die geplante TESE noch einmal zu überdenken und nach Hause zu fahren.

T. Entscheidung, zu bleiben, kam wie aus der Pistole geschossen. Dafür war ich ihm sehr dankbar.

Wir sind danach einigermaßen verdattert ins Hotel gefahren. Einen ganzen Nachmittag galt es zu überbrücken. Komischerweise hörte es genau da auch auf, wie aus Kübeln zu gießen, so dass wir uns für Herrn Hagenbeck entschieden haben. Dem empfohlenen Miniaturwunderland erteilte T. eine klare Absage.

Den Zoo hatten wir fast komplett für uns. Da haben sich die 30 Öcken Eintritt ja richtig gelohnt. Und die Sonne schien auch manchmal. Vor allem hatten wir so viel Bewegung und frische Luft, dass wir abends einigermaßen nett eingeschlummert sind.

Morgens wurde es dann etwas stressig, nachdem das vom Hotel eingepackte Lunchpaket vor demselben auf den Boden knallte und sich drei Flaschen Apfelsaft vor mir ergossen.

Fünf nach sieben wussten wir dann plötzlich nicht mehr, wo wir uns eigentlich melden sollten. Wäre ja auch zu schön gewesen, wenn wir einigermaßen entspannt in Zimmer 204 eingetroffen wären.

Zimmer 204 war mit zwei Betten ausgestattet, aber es wurde uns ziemlich schnell klar, dass T. dort als dritter von drei Männern alleine einquartiert war. Selbstverständlich für uns ein Grund dafür, darüber zu spekulieren, dass wir höchstwahrscheinlich das Quotenpaar mit Negativ-Ergebnis sein würden.

T. war der erste im OP und ich war die erste an der Kaffeetheke. Mjammi Kaffee geschlabbert und nach der vereinbarten halben Stunde war ich bereit, T. in Empfang zu nehmen. Kein T. kam. Eine dreiviertel Stunde taperte ich auf dem Flur hin und her. Schreckensszenarien im Kopf. Ständig stand ich einem Anästhesisten im Weg, der grundsätzlich in die Tür wollte, an der ich gerade im Schneckentempo vorbeischlurfte.

Tatsächlich hatte T. Hunger, als er ins Zimmer geschoben wurde. Dreimal bin ich zur Kaffeetante in der Bäckerei gejuckelt, um uns bei Laune zu halten. T. erzählte mir in der Zwischenzeit, dass die beiden Studentenmäuschen, die bei der TESE zuschauen durften, vom Professor kritischst auf ihre Anatomiekenntnisse hin überprüft wurden, nachdem sie es gewagt hatten, angesichts der Diagnose lauthals den Sinn der OP in Frage zu stellen. (Mein armer T… Gebt mir die neunmalklugen Studentinnen, ich esse sie lebend auf.)

Kurz vor 12 kam der Professor reingestolpert. Im Anorak und mit einem beautycase-ähnlichem Etwas in der Hand. Er begrüßte uns mit den Worten: “Ach, Herr T. mit Klinefelter-Syndrom.” Da wollte ich ihm kurzfristig an die Gurgel gehen. Dieses Gefühl legte sich schlagartig, als er sagte:

“Auch bei Ihnen habe ich etwas gefunden. Es reicht für einen Versuch. Und die Funde sehen gut aus! Wenn die Eizellen Ihrer Frau genauso gut aussehen, dann könnte es klappen, Herr T.!!”

Damit hatte er mich nun wirklich auf dem ganz falschen Fuß erwischt. Hatte ich mich doch den ganzen Morgen mit der Fragestellung beschäftigt, wie T. und ich das für mich glasklare Negativ verpacken würden. Und da kommt der einfach reingehüpft und redet etwas von gut aussehenden Funden.

Und was hat er sich gefreut… Während er mich zum zweiten Mal drückte, prognostizierte er uns angesichts meines Alters keine schlechte Chancen. Wenn wir uns beeilten. An seinen Proben sollte es nicht liegen.

Harhar… Charmanter Mann, das muss man ihm lassen. Spart nicht mit Komplimenten für fast einunddreißigjährige Tanten.

Wieder im Hotel habe ich T. ans Bett gefesselt, ihn ob seiner Männlichkeit mit Komplimenten überschüttet und mit viel Essen und 1A-Kühlpäcks versorgt. Schlafen konnte er leider trotzdem nicht, denn er hatte ganz schön fiese Schmerzen.

Die Hoteldame hat mich heute morgen netterweise mit einem Tablett versorgt, so dass ich T. sein Frühstück auf’s Zimmer bringen konnte.

Ich war heilfroh, als ich das Auto nach vier Stunden Fahrerei auf unserer Einfahrt parkte. Jetzt liegt mein persönlicher Held auf dem Sofa und lässt ausrichten:

Trotz Klinefelter-Syndrom sieht er vollkommen männlich aus. Seine Gliedmaßen stehen im optimalen Verhältnis zum restlichen Körper und er ist außerordentlich proper behaart. Dem stimme ich zu. (Ganz lieben Gruß an Konny…. Du hattest den richtigen Riecher, was die Diagnose anbetrifft… ;)

Wir sind uns vollkommen im Klaren darüber, dass eine einzige Chance verdammt wenig ist. Aber ich bin unendlich dankbar dafür, dass wir diese eine Chance bekommen.

Mit der Diagnose an sich müssen wir uns erstmal genauer auseinandersetzen. Denn die Konsequenzen, die sich daraus in Zukunft ergeben, bedürfen der Verarbeitung.
Minden ist ein Kapitel für sich. Die werden mich da keinesfalls befruchten, das steht fest.

So gut, wie wir uns bei unserem Erstgespräch dort aufgehoben gefühlt haben: Die Diagnose ist uns vorenthalten worden. Es wäre kein Thema gewesen, mir am Telefon die Dringlichkeit eines persönlichen Gespräches zu verdeutlichen. Die TESE war die erste und letzte durchführbare. Und Doc B. hätte zugelassen, dass sein Partner-Urologe an T. herumschnitzt. Professor Schulze hätte uns bei der Bitte um einen zweiten Versuch wieder nach Hause geschickt.

Das macht mich wütend und bestärkt mich in meinem Vorhaben, am Montag unsere Befunde anzufordern.

Insofern danken wir allen ganz herzlich, die uns zu einem sofortigen Besuch beim Professor geraten haben. Seine Kollegin habe ich ebenfalls in mein Tantenherz geschlossen. Redet nicht um den heißen Brei, hat Humor und klärt so auf, dass keine Fragen offen bleiben.

So. Und jetzt geht’s zu T. auf die Couch.

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…Tante Heinz schreibt gerne, aber im Titelfinden ist sie unkreativ - Und wie lang darf ein Titel hier eigentlich sein?…. erstellt von Tante Heinz.
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