Was soll ich schreiben…. Wir leben hier so vor uns hin. Reichlich unspektakuläres Leben gerade. Unaufgeräumt dazu. In jeglicher Hinsicht. Im Kopf immer den Monat März. Warten ist wirklich nicht meine Stärke.
Horrorszenario ist der Abbau der Küche am Donnerstag, ab diesem Zeitpunkt drehen hier wahrscheinlich nicht nur die Tiere am Rad. Schließlich müssen wir aus organisatorischen Gründen dann noch eineinhalb Wochen hier ausharren. Auch, wenn ich mich nicht als Kochfreak bezeichnen würde, aber allein der Gedanke, keine Küche zu haben, lässt mir einen Gruselschauer über den Rücken laufen.
Immerhin ziehe ich frisiert um - wenn man das so sagen kann, denn mein Kopf sieht eigentlich zu jeder Zeit chaotisch aus. Das beginnt spätestens zwei Stunden nach Besuch der Haarfee. Diese bescheinigte mir auch geistigen Irrsinn, weil ich bei Sturm und Regenwetter tatsächlich den Weg zu ihr gefunden hatte. Alle anderen haben nämlich abgesagt. So ist das hier. Friseurbesuche bei Regen nur im Notfall.
Was der Grund dafür war, dass ich mich geschlagene zwei Stunden alleine im Dorfsalon aufhalten durfte. Keiner da. Nur ich und die Fee. Ich war gezwungen, mich über die Inhalte der Neuen Post und der Frau im Spiegel zu unterhalten. Besenreiser, Wechseljahre und faule Schwiegertöchter.
Kommunikationstechnisch eine wahre Enttäuschung. Das Wort Kind fiel nicht einmal. Das erste Mal, seit geschlagenen vier Jahren. Vielleicht sollte man sich generell Schreckensszenarien ausmalen, und dann kommt alles ganz anders.
Beruflich mache ich gerade eine echte Belastungsprobe durch. Gestern kam schon wieder eine Mutter, die das dritte Kind ankündigte. Mittlerweile die dritte dritte Schwangerschaft innerhalb einer Woche. Dass habe ich in fünf Jahren Selbständigkeit noch nicht erlebt. Von fehlender Bereitschaft, sich fortzupflanzen, merke ich in hiesigen Gefilden momentan nichts. Bei so viel Fruchtbarkeit anderer Leute kann man sich abends gepflegt seiner Depression hingeben. Nachdem man sich natürlich vorher im direkten Kontakt mit ihnen professionell gefreut hat.
Zu allem Überfluss meldet sich mein Magen wieder. Nüchternschmerz, ziemlich eklige Sache das. Kein Wunder, bei dem Kram, der gerade durch meinen Kopf rast. “Sie müssen lernen, abzuschalten, sonst ist das Geschwür bald wieder da…” gab mir mein Hausarzt beim letzten Magenschmerz, der mich zu ihm trieb, mit auf den Weg.
Harhar. Der Mann hat Witz, ich wusste es schon immer.
Zur Zeit bekomme ich das ganze noch durch permanenten Teegenuss in den Griff und nachts habe ich noch Ruhe. Sollte es schmerztechnisch aber so weitergehen, lasse ich mir das mit dem Abschalten nochmal genau erklären.
Dienstag, 16 Januar 2007 um 1:55 nachmittags
Liebe Tante,
ich bewundere Deine Sprachbegabung. Du hast den Nagel wieder auf’n Kopf getroffen -”professionell freuen” - hi hi - das gefällt mir ungemein gut! Beherrsche ich auch schon ganz gut, dieses “professionelle freuen”!
Ich hoffe es geht Dir bald ein bißchen besser.
Liebe Grüße und gutes Abschalten wünscht
Bärbel
Dienstag, 16 Januar 2007 um 2:33 nachmittags
Liebe Bärbel,
freut mich sehr, wenn ich auch Dich mehr oder weniger professionell erfreuen konnte.
Ich stehe in solchen Freu-Momenten neben mir, klopfe mir selbst auf die Schulter und denke: “Tante, mannomann, Hut ab… So lange Du das noch authentisch ‘rüberbringen kannst, sind Hopfen und Malz noch nicht verloren.”
Denke, heute abend geht’s wieder. Bisher sind keine neuen Schwangerschaftsmitteilungen eingegangen. Dafür diverse Krankmeldungen, die mich zum Nichtstun verdammen. Auch schön…. Kommt gerade ganz recht.