In meinem Wohnzimmer hallt’s…
Ich muss sagen, so’n bisschen zwangloses Kistenpacken macht Spaß. Da kann ich meiner Neigung zum systematischen “Ordnung in den Laden bringen” ausnahmsweise mal richtig frönen.
Zum Beispiel findet man Liebesbriefe von Verflossenen, die man in einem Anfall von “da will ich nichts mehr von hören” rituell verbrennen kann. Mannomann. Vor 10 Jahren war ich anscheinend ‘ne echte Granate. Da wurden sogar Klavierstücke für mich komponiert und Gedichte verfasst. Sogar gute. Jetzt sind sie weg. Ich könnte mit viel gutem Willen noch eine Urne für sie basteln.
Und was nützen komponierte Meisterwerke, wenn mir währenddessen T. über den Weg läuft. Der hat mir auch Gedichte geschrieben. Und was für welche!!! Da musste frau flugs zugreifen.
T. hingegen ist aktuell gestresst. Der arme Kerl. Immerhin, seine Plattensammlung ist verstaut. Und zwar nicht in banalen Umzugskartons, nein, es mussten extrastabile Plastikboxen sein. Bisher nahmen die Dinger immer nur Platz weg, nach 9 Jahren weiß ich nun endlich, wofür er sie aufbewahrt hat.
Und besagte Plattensammlung darf auch nicht - wie andere Banalitäten - im Hausflur geparkt werden (schließlich ist der feucht…
, nein, die werden im Büro deponiert. Ganz schöne Herausforderung gerade , den Schreibtisch zu erreichen.
Die Katzen sind jetzt schon total irre, wenn man bedenkt, dass wir hier noch geschlagene drei Wochen ausharren müssen, bis alles zum Wechsel bereit ist, kann das noch richtig heiter werden.
Schön ist die Beschriftung der Kartons. Da wir die ja netterweise von Freunden, bzw. deren Eltern gestellt bekommen, deren Lebensstandard sagen wir mal “etwas gehobener” ist, stehen darauf Dinge wie “Sektkühler”, “Kristallgläser”, “Lüster” und vergleichbare Bezeichnungen.
Klasse.
Könnte mich den ganzen Abend vor die Wohnungstür setzen, nur um den Vermieter dabei beobachten zu dürfen, wie er über genau diese Beschriftungen sinniert… Schließlich machten wir ja bisher immer einen eher einfacheren Eindruck.
Tja. So schnell kann’s gehen. Piff, schon sind die solventen Wohnungsbewohner weg. Hätte er das vorher gewusst, wäre die Miete wahrscheinlich schon dreimal erhöht worden.
Die Kartenlegerin war auch nicht überzeugt. Die Nachtspeicherofenkarte lag anscheinend nicht oben, denn sie war ganz erstaunt über unsere Art, zu heizen. Ebensowenig blinkte die Karte “für eine Mutter mit zwei halbstarken Söhnen ist die Wohnung zu klein”.
Nun ja, sie war außerordentlich sympathisch. Sollte ich mal jemanden brauchen, der mich berät, dann werde ich mich vertrauensvoll an sie wenden. Sie ist sogar mit dem Auto angereist, ich hätte zumindest einen Besen erwartet. Ziemlich unspektakulär also.
Muss jetzt T. ein wenig erheitern. Geht immer mit der Zubereitung von Essen. Irgendwie hat der gerade die Krise, die ich wahrscheinlich erst bekomme, wenn diese Wohnung endgültig leer ist und wir die Tür hinter uns zumachen. Dafür ist es absehbar, dass ich sie doppelt so heftig bekomme. Frauen mögen es da bekanntlich ja etwas dramatischer.
Samstag, 6 Januar 2007 um 7:55 nachmittags
Hi,
na gut, das ihr schon mal mit Packen angefangen habt und ich kann mir den Ein-Meter-Vermieter richtig gut beim Beäugen vorstellen.
Zu der Kartenlegetante wurde ich ja beruflich nicht gehen, aber vielleicht kennt sie eine gute Bekannte, die das wesentlich besser kann.
Dienstag, 9 Januar 2007 um 12:43 nachmittags