Archive forDezember, 2006

So. Übermorgen wird’s ernst. T. und Tante Heinz fahren nach Hamburg.

Huiii, das wird ein Spaß, wir fahren durch den Elbtunnel.

Früher habe ich von meinen Eltern immer verlangt, dass sie mich auf der Fahrt in den Urlaub zwei Minuten vor dem Elbtunnel wecken, damit ich die unheimliche Gruselfahrt mitbekomme. Womit man Kindern vom Land doch damals noch Freude bereiten konnte… Das war fast so toll, wie Rolltreppe fahren im nächsten Karstadt.

11 Uhr ist Termin, das heißt, wir sollten um Mitternacht losfahren. *g*

Seitdem unsere Wohnung gestrichen ist und ich wie eine Geisteskranke durch die Ecken geputzt habe (Frosch Soda-Reiniger ist einfach der Beste… ;) habe ich endlich das Gefühl, dass wir einziehen können.

Wohnungen verändern sich nämlich in dem Moment, in dem man sie ohne Möbel und aus der Sicht einer “Heimwerkerin” sieht. Da wird’s ganz schnell ganz schlimm.

Das gelbe Hubba Bubba in den Bohrlöchern konnte mich nicht abschrecken. Die kaputten Türen jedoch haben mich - sagen wir mal nett “irritiert”. Die fielen uns nämlich etwas zu spät auf.

T., der Fachmann in solchen Dingen, analysierte: “Da wurde unsere Vormieterin durchgeprügelt. Oder umgekehrt…”

Prima. Nettes Ambiente. Plötzlich kommt einem die Wohnung doch etwas seltsam vor. Fast alle Türzargen waren im Eimer, inklusive den von den Vormietern angebrachten Tapeten.
Und wir hatten eine Woche zuvor noch einen Abend weintrinkenderweise bei den Vormietern gesessen und im Nachhinein beschlossen, dass sie gar nicht so übel sind, wie wir sie eingeschätzt hatten.

Nun ja. Jeder findet etwas anderes spaßig. Vielleicht gehört das Türeneintreten bei denen einfach dazu. Eine ganz eigene sexuelle Spielart vielleicht. Unser Vermieter hat uns neulich mitgeteilt, er sei sehr froh, dass endlich wieder zivilisierte Menschen hier einzögen. Netter Mann. Gut für ihn, dass er das erst nach dem Unterschreiben des Mietvertrages gesagt hat.

Allerdings scheint es für die beiden sehr wichtig zu sein, keinen falschen Eindruck bei uns zu erwecken, denn mehrfach haben sie uns jetzt schon angerufen, um uns zu sagen, die Türen seien vorher schon kaputt gewesen. (Natürlich…. Schon vorher kaputt… Und ich bin im fünften Monat schwanger….)

Liegt wahrscheinlich an der Tatsache, dass sie in unmittelbarer Nähe ihr neues Domizil aufgeschlagen haben. Der kluge Mensch baut vor. Nicht, dass das an die Öffentlichkeit gerät. Und vielleicht wollen sie sich ja mal ein Ei bei uns ausleihen. (!!!)
T. jedenfalls schließt ein erneutes Weintrinken kategorisch aus. Ich ebenfalls. Prügelnde Paare hatten wir schon in unserem Bekanntenkreis, das müssen wir beide nicht nochmal haben.

Seit meiner Putzorgie jedenfalls sind gottseidank alle Zweifel beseitigt. War fast so, wie die Bude auszuräuchern. Jetzt können wir meinetwegen das Heim wechseln. Sollten im Vorhinein vielleicht doch mal anfangen, ein paar Kisten zu packen.

Vielleicht heute? Würde passen. Weihnachten streichend verbracht und packend ins neu Jahr wechseln. Muss ich gleich mal T. zu motivieren. Aber vorher muss das Buch zu Ende gelesen werden.

Ich liebe den alljährlichen Büchergutschein meiner Schwiegermutter. Es gibt doch nichts Besseres, als mit einer Tüte voller Bücher nach Hause zu kommen, den Ofen anzumachen, die neu entdeckte Vanillemilch zu schlürfen und das Jahr zu beenden. Im aktuellen Fall mit einem Mord. Passt doch.

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Etwas für Tante Heinzens Seele….

Einen Geheimtipp in diesem kulturell vernachlässigten Gebiet ausprobiert. Gut versteckt, aber durchaus auch für orientierungslose Tanten zu finden. Mitten im Off, wenn man denkt, nun bin ich mitten drin im schwarzen Loch, liegt ein wunderschönes altes Bauernhaus, umgewandelt in einen Laden, mit Dingen, die nicht lebensnotwendig sind, aber die meine Laune erheblich besserten.

Handtaschen. Kissen. Wärmflaschen. Decken. Teller. Olivenöl. Windlichter. Vasen. Weihnachtskram.

Toller Laden, insbesondere wenn man kurz vor dem Umzug steht, und so gar nicht weiß, ob und was man kaufen kann. Und ob’s überhaupt passt. Und wenn man am Tag vorher noch mit T. darüber philosophiert hat, dass bald der böse Januar Einzug hält und wir unsere Konten vorsorglich vor uns selbst sperren.

Zwei Stunden habe ich mir schöne Dinge angesehen, habe mich auf ein überaus nützliches Ding (!!!) beschränkt und war danach hochzufrieden und erstaunt darüber, was für gefährlich schön Läden es doch in unmittelbarer Nähe gibt..

Da alte Bauernhäuser mit dicken fetten Balken an der Decke gesegnet sind, die leider nicht auf meine Körpergröße abgestimmt wurden, habe ich trotz intensiven Bückens eine fette Beule davongetragen.

Schön war’s trotzdem. Was will ich noch in der großen Stadt… Das Glück liegt vor der Haustür.

Im örtlichen Supermarkt wurde ich jedoch von der Realität eingeholt. Das hätte ich mir mal lieber gespart. Ein Dutzend Schwangere, zwei Dutzend gerade geschlüpfte Kinder, die überaus glückliche Nachbarschaft Hand in Hand mit Nachwuchs und quasi als Höhepunkt an der Kasse T.’s Bruder mit Sohn:

“Und, bei Euch ist’s endgültig?” “Sozusagen, W., zu 99%.” “Und, kommt T. damit klar?”

Hallo? *klopfklopf* Einer zu Hause?

Natürlich kommt T. blendend damit klar. Auch ich bin hochzufrieden mit der Gesamtsituation, mein lieber W. Insbesondere bin ich damit zufrieden, dass Du als einzig Wissender unter T.’s Geschwistern hier noch nicht einmal Aufbauarbeit geleistet hast und Deinen Bruder ein bisschen betüttelst, von dem Du ganz genau weißt, dass er verdammte Kacke nochmal ein Sensibelchen ist.

Weil ich beileibe keine Lust verspürte, mitten im Supermarkt über die Hoden meines Lieblingsmannes zu sprechen, die urplötzlich im Mittelpunkt von W.’s Interesse standen, habe ich ihn dezent darauf hingewiesen, dass es sich schließlich um T.’s Sack handelt, und der ihm in einer stillen Stunde sicherlich persönlich Auskunft erteilen kann, wenn es denn tatsächlich interessiert.

Ich weiß nicht, warum, aber neben uns ist dann glücklicherweise - man möge es mir verzeihen - der Kreislauf einer Frau zusammengebrochen, so dass W. als ehemaliger Rettungssanitäter alle Hände voll zu tun hatte, sie wieder mit den Füßen auf die Erde zu stellen.

Ich für meinen Teil beschloss daraufhin, die Situation mit flinken Beinchen zu verlassen, schließlich hatte er sie voll im Griff, die Schaulustigen begannen, sich einzufinden und die Dame vom Fotoshop stand ihm helfenderweis’ zur Seite.

Komische Welt. Zu Hause noch einen Weihnachtsgruß einer Freundin aus dem Briefkasten gefischt, mit Foto von ihrem properen Baby mit Engelsflügelchen (…ganz aus Versehen entstanden…. “Konnte mir nie vorstellen, dass man tatsächlich von einmal Poppen schwanger wird…” ;) , Tränchen aus den Augen gewischt, mich danach mit T. vor den Fernseher gelümmelt, wirklich lustigen Film gesehen, eineinhalb Stunden gekichert und die Welt war wieder in Ordnung. Wenigstens für den Moment.

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Silikon & Kaugummi

Es ist mir bei meinem nun x-ten Umzug mal wieder klar geworden, dass Mietwohnungen eine ganz unangenehme Tätigkeit mit sich bringen:

Renovieren! Quasi den Dreck und die Vergehen der Vormieter beseitigen!

Tante Heinz durfte beispielsweise vorgestern die rustikale Steintapete abknibbeln. Boah, hatte die schlechte Laune! Klaro, Tapetenknibbeln hasst Sie wie Hölle. Immerhin ist TH’s Lieblingswerkzeug ein ausgewachsener HILTI-Bohrhammer. So ein Teil das aussieht wir Terminators Ausgehwaffe und ähnlich fette Löcher reißt! Da kann Tapetenknibbeln schon an die Nieren gehen.

Ich durfte die Flurdecke streichen. Nach 2 qm hat diese sich dann um die Rolle gewickelt und ich durfte den Farbauftrag von Generationen von der Decke popeln. Die Decke der Küche drohte auch herabzufallen. Da war Feinarbeit gefragt.

Und wer ist eigentlich auf die Idee gekommen, Bohrlöcher mit Silikon vollzustopfen? Oder Löcher in der Wand mit Kaugummi zu füllen? Wieso müssen Vormieter Ihre Klobürsten da lassen? Und wieso wird mit Schimmelpilzsporen übersätes dDoppels.-Klebeband über der Heizung installiert? Wieso drückt man Klinken nicht herunter, bevor man durch die Tür geht? Muss man die unbedingt gleich eintreten?

Fragen über Fragen ….

Nuja, nachdem wir zwei Tage ohne Radio gearbeitet haben, ist mir gestern das alte NORDMENDE CARMEN von 1957 eingefallen….

….deshalb haben wir jetzt einen Granatensound in der Hütte, entgegen dem MEDION-Radio (das nur 3 Monate alt werden durfte bevor es am Montag den Dienst quittierte) 50.000 Sender zur Verfügung und das Streichen macht deutlich mehr Spaß! Da selbst TH gestern abend bemerkte, dass der Sound doch außerordentlich “fett” sei, ist ein Platz für das Radio in der neuen Küche reserviert! Hurra! Frauen zu erklären, dass ein riesiges Röhrenradio in die Küche muss, war schon immer ein Problem!!

So, werde nun TH nacheilen um in der Küche den lieblichen Farbton “Farngrün” mit “Wischtechnik” zu installieren. Wird wahrscheinlich eine herrliche Schmiererei.

(muss mir nun noch überlegen wie ich Ihr beibringe, dass das Röhrenradio SABA KRISTALL von 1951 auch noch ein Plätzchen verdient… ;)

T.

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Katastrophaler Auftritt - dieser Tag wird gut

Geweckt worden vom Geräusch des Müllautos, bemerkt, dass man sich um alles selber kümmern muss, im Halbschlaf und karierten 19.Jahrhundert-Flanell-Nachthemd vor die Haustür gerannt, Tonne an die Straße gestellt, auf dem glatten Bürgersteig ausgerutscht, gutaussehenden Müllmann getroffen, der mir ein fröhliches “Guten Morgen” hinterherschmetterte.

Wie gut, dass ich schon einen Mann habe. Würde ich aktuell einen suchen, der Müllmann würde mich nach diesem Auftritt definitiv nicht mehr wollen. Hätte ich jedoch einen Müllmann-Mann, würde sich das ewige Mülltonnenproblem am frühen Morgen endlich in Luft auflösen.

Kann hier nicht mal wieder ein Morgen in himmlischer Ruhe beginnen?

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Von der Tsetse-Fliege gestochen….

Dürfen Zeitungsboten eigentlich um 5:00 morgens direkt vor dem Schlafzimmerfenster rufen:

“Hier, Du musst noch eine in die 20 schmeißen!!!” ?

Ich geh kaputt, mein erster Urlaubstag und ich bin hellwach.

Wie immer wollte ich mich gestern hundemüde mit ein paar knackigen Krimis auf die Tatsache einstellen, dass ich nun Ferien habe. Das muss sein. Obwohl ich ja eigentlich schon bei den alten Miss Marple-Filmen echte Ängste ausstehe. Alleine kann ich mir die nicht ansehen, ich brauche da Unterstützung von T.

Und wehe, er ist nicht da, dann bleiben nachts die Lichter an und es wird beim Aufs-Klo-Gehen mutig vor sich hin gepfiffen.

Leider habe ich weder beim ersten Krimi den Mörder mitbekommen, noch beim zweiten.

Und beim nachfolgenden Wallander, für den ich mich extra in eine Sitzposition gebracht habe, die mich vor dem Einschlafen bewahrt, bin ich anscheinend nach der Hälfte umgefallen. Ich habe mitbekommen, dass die Leiche in die Kanalisation gekippt wurde, aber wie sie wieder rausgefischt worden ist, habe ich leider verpasst..

Ich Lusche.

Das gibt doch heute wieder Ärger, wenn ich von T. eine Zusammenfassung der Ereignisse einfordere. Am langen Arm verhungern lässt er mich wahrscheinlich, weil ich’s mal wieder nicht geschafft habe, die Augen offen zu halten.

Heute abend bekomme ich noch eine Chance. Da kommt noch ein Wallander. Wenn ich die Situation aber richtig einschätze, werden meine unerzogenen Geschwister hier einfallen, den Kühlschrank leerfuttern, die Katzen quälen und mindestens eine Runde Kuhhandel einfordern. (Kuhlstes Spiel, das ich kenne. Macht mit T. am meisten Spaß. Sein Köpfchen raucht, er denkt sich furchtbar wichtige Strategien aus, und gewinnen tun immer die anderen. Meistens meine Schwester und ich, weil wir in unserer Eigenschaft als Frau weniger denken, sondern einfach machen…. Hach, ist das schön… Und seitdem mein z.Z. aktueller Schwager in die Geheimnisse dieses Spiels eingeweiht worden ist, haben wir ein Opfer mehr.)

Mein Termin mit meiner neuen Kollegin war wie erhofft sehr erfolgreich. Ich verlasse mich mittlerweile auf meinen ersten Eindruck. Und der war sehr gut. Habe sie sofort erkannt, war die einzig sympathische Frau in dem Laden.

Allerdings hat sie sich Bedenkzeit bis Mitte Januar erbeten, schließlich muss sie darüber nachdenken, ob sie in dieses gottverlassene Städtchen ziehen will oder lieber doch nicht. Muss bis dahin unbedingt noch einen solventen, gutaussehenden, unverheirateten und ortansässigen Mann für sie finden, vielleicht lockt der sie ja. Hat bei mir schließlich auch geklappt.

So. Werde mich jetzt mit der Tatsache anfreunden, dass ich mich in punkto fehlendem Weihnachtsgeschenk heute noch ins Getümmel stürzen muss. Hui. Das wird bestimmt außerordentlich spaßig.

Haben beschlossen, über Weihnachten unsere neue Wohnung zu streichen und das große Nichten-und-Neffen-Beschenken-und-Kuchen-stopfen ausfallen zu lassen. Das große Putenfuttern beim kinderlosen Teil der Familie wird allerdings wahrgenommen. Und natürlich der gemütliche späte Heiligabend-Besuch bei meinen Schwiegereltern, denn da sind wir hübsch alleine und die beiden können die Problematik nachvollziehen.

Der Gedanke, mit T. im Farbtopf zu wühlen, die Thermoskanne mit Tee zu leeren und lecker Wurstbrote zu futtern, macht mich jetzt schon ganz glücklich.

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Trotziges Blümchen

Da schaue ich heute morgen auf unsere Fensterbank, und da erdreistet sich die Orchidee, die wir zur Hochzeit von unserem blöden Vermieter bekommen haben, schon wieder zu blühen. Und zwar nicht mit einer einzigen Blüte, nein, sie hat vor, dieses sechzehnfach zu tun.

Seit zweieinhalb Jahren warte ich darauf, dass die superedle Spitzenorchidee von meiner Mutter endlich mal ein Knöspchen wirft. Nix. Die Baumarktblume von dem kleinen Wahnsinnigen, die hört gar nicht auf, uns mit weißen Blüten (…uah… ;) zu erschlagen. Dabei gießen wir sie beide nur einmal im Quartal. Anscheinend reagiert sie auf negative Schwingungen mit Trotzblüte.

Letzte Woche habe ich noch gedacht: “Du kommst weg. Mit Dir ziehen wir nicht um… Alle Altlasten müssen vernichtet werden, also auch Du.” Nun macht sie’s mir doch ein bisschen schwer.

Vielleicht sollte sie doch ein kleines Eckchen bekommen? Im Badezimmer vielleicht? So dezent in einer Ecke auf der Badewanne? Höchstwahrscheinlich veranlasst sie das dazu, zum Baum zu mutieren. Sie wird uns eines Nachts noch mit ihren Luftwurzeln erwürgen.

So. Mein Mann feiert gerade seinen letzten Arbeitstag, und ich armes Hutzelputzelchen habe noch zweieinhalb vor mir. Ohne Weihnachtsfeier, denn schließlich arbeite ich mutterseelenalleine.

Bin ich arm dran. Immerhin werde ich von den kleinen Klienten dieses Jahr reich beschenkt. Ich scheine ganz nett gewesen zu sein, wenn ich mir das hier so ansehe.. Und bisher noch keine Packung “Mon Cherie… Strike!

Wie jedes Jahr geht mein Plan, alle Weihnachtsgeschenke im Buchladen meines Vertrauens zu bestellen und lediglich abzuholen, nicht auf. Ein Buch ist nicht lieferbar. Ausgerechnet das für den schwierigsten Geschenkekandidaten. Und dazu noch das, das ich zusammen mit meiner Schwester schenken wollte, die bei derartigen Negativ-Nachrichten gerne in Panik verfällt…

Hui. Das muss wohldosiert und mit Gefühl übermittelt werden.

Und das heißt außerdem: Am Samstag muss eine Alternative besorgt werden. Mein Alptraum der letzten fünf Tage wird Wirklichkeit: Ich muss ins Getümmel. Und T. muss mit, um mich vor dem Wahnsinn zu retten. Hoffentlich hält unsere Ehe dem stand….

Heiligabend werden meine Eltern es tatsächlich schaffen, mit allen drei (wohlgeratenen) Kindern unter dem Weihnachtsbaum zu campieren. Ich glaube sogar, dass das mal wieder ganz spaßig werden könnte, schließlich fehlt sonst immer mein Bruder, der Weihnachten eigentlich seine Hauptarbeitszeit hat. Bandscheibenvorfall sei Dank… Dieses Jahr klappt’s.

Gar nicht spaßig hingegen wird der Besuch beim anderen Teil der Familie. Also dem enkelreichen Teil. Weiß gar nicht, wie ich mich da geschickt aus der Affäre ziehen könnte. Höchstwahrscheinlich ist dieses Unterfangen aussichtslos und würde mich den Rest meines Lebens in Form eines dunklen Schattens begleiten. Glaube, T. hat auch keinen Bock. Muss das heute abend nochmal dezent abklopfen.

Es sollte doch reichen, die Geschenke vor der Tür abzulegen. Anders macht’s das Christkind doch auch nicht. Und überhaupt: Sollte man nicht Narrenfreiheit genießen, wenn einem erst vor 12 Wochen die absolute Infertilität bescheinigt wurde? So gruselig, wie es gerade geschrieben aussieht: Weihnachten könnte man es sich zu Nutze machen und ein wenig leidend durch die Weltgeschichte tapern.

So leidend, dass die glücklich eingestellte Verwandschaft mit den herausgeputzten Kinderlein sich erleichtert den Schweiß von der Stirn wischt, wenn die Gute-Laune-Killer wehklagend nach 5 Minuten die Gesellschaft wieder verlassen.

So. Läute nun den zweiten Teil des Mittwochs ein. Muss gerade mal wieder höllisch aufpassen:

Bei manchen Kindern kommt der Weihnachtsmann. Bei manchen kommt das Christkind. Bei manchen kommt Rudi das Rentier (?). Da darf man nichts durcheinanderwürfeln, das wird insbesondere von Mamas schwer übergenommen.

Einige Kinder sind aufgeklärt und bescheinigen mir geistigen Irrsinn. “Tante Heinz, Du bist doof. Die Geschenke bringen Deine Eltern.” Okay, Herr Neunmalklug. Wir wechseln nun mal lieber hübsch das Thema.

Pauschal kann festgehalten werden: Mit Kindern kann man gerade nicht ernsthaft arbeiten. Und ich hatte mir kurzfristig überlegt, zwischen Weihnachten und Neujahr ein bis zwei Arbeitstage einzulegen.

Diesen Plan habe ich aber seit drei Tagen verworfen. Geht gar nicht… Alle verrückt.

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Nur noch zwei volle Tage. Hurra. Unterbrochen von dem Highlight, dass ich am Freitag mittag die Dame treffe, mit der ich eine Praxisgemeinschaft plane. Fatalerweise kenne ich sie noch nicht.

Aber da die Wunschräume für mich etwas zu groß sind, und dementsprechend auch etwas zu teuer - schließlich müssen wir uns in den kommenden Jahren ja auch noch die Produktion von ein bis zwei Kindern finanzieren - hat sich mein Arzt und Vermieter überlegt, dass er da eine nette junge Dame in petto hat, die sich die Räume gerne mit mir teilen will. Auf meine Frage, ob die was taugt, antwortete er: “Sie ist ganz gut drauf.” Diese Aussage von einem Mann… Das heißt alles und nichts.

Ich werde das am Freitag testen. Auf zum Kaffee mit der neuen Kollegin. Auf dass ich auch bald mal eine Weihnachtsfeier feiern kann. Wir könnten uns zum Beispiel gegenseitig bewichteln.

Weiß gar nicht, ob ich überhaupt noch zur Kollegialität tauge. Sollte sie sofort mit den wichtigsten Tatsachen konfrontieren:

1. Ein Klo ist für mich.

2. Wehe, sie neigt zum Kreischen.

3. Wenn sie Kinder hat, darf sie mir davon nichts erzählen.

4. Wenn sie welche will, auch nicht.

5. Wenn sie keine kriegen kann, dann schon.

6. Kein Kitsch in gemeinsamen Räumen. Unter Kitsch verbuche ich zum Beispiel sowas hier:


7. Ihre Figur sollte sich von meiner nicht unterscheiden.

8. Keine Vegetarierin.

9. Keine Tuppertante mit übermäßigem Ordnungssinn.

10. Sie sollte die deutsche Sprache in Wort und Schrift beherrschen.

11. Sie sollte Humor haben. Bestenfalls meinen.

Das wären so die wichtigsten Punkte, die zwangsläufig abgeklopft werden müssen. Hatte ich alles schon, brauche ich nicht nochmal.

So. Mein Gatte ist immer noch auf dieser ominösen Weihnachtsparty. Mein erster und letzter Anruf war um 17:00, um abzuklopfen, wer die Ehre hat, ihn abzuholen. Selbstverständlich fiel seine Wahl auf mich. Na töfte… Nebenbei erzählte er auch, dass er vorhat, bis dahin gemeinsam mit albanischen und türkischen Landsleuten die Flasche Whiskey zu plätten, die sie kurz zuvor gefunden hatten.

Ich ahne Schreckliches. Wahrscheinlich habe ich ihn heute morgen das letzte Mal unversehrt gesehen. Dauern Betriebs-Weihnachtsfeiern, die jahrelang nach zwei Stunden zu Ende waren, tatsächlich von 12:00 bis jetzt?
Schwanke zwischen anrufen, um zu hören, dass er noch lebt, oder ignorieren und abwarten, wie er nach Hause findet.

Eine halbe Stunde gebe ich ihm noch. Werde bis dahin die Tüte Lebkuchen-Allerlei futtern (…natürlich ist der Kühlschrank leer…. Schließlich hat wusste T., dass er heute nicht Hunger leiden muss… ;) und könnte heimlich Cola-Light trinken (…habe gerade Cola-Light-Verbot. T. meint, ich sei süchtig… ;) , aber noch nicht mal die ist im Haus.

Dann fahre ich los und werde ihn retten.

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Uah. Er geht nicht ans Telefon. Jetzt wird’s kriminell. Hm. Wann holt man Männer von Weihnachtsfeiern ab, ohne dabei hysterisch zu wirken? Und in was für Zeitabständen ruft man an? Diese Frage muss ich mir jetzt erstmal durch den Kopf gehen lassen.

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Heute lieber nicht rückenfrei….

….dabei böte sich das fulminante Wetter draußen doch gerade an, tief ausgeschnitten durch die Gegend zu traben.

Ich selbst hätte es gar nicht bemerkt. Mein Mann hatte Spaß.

Schröpfen ist ne tolle Sache, und damit man nicht vergisst, wie toll das ist, darf man sich noch tagelang daran erinnern:

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Überschrift wird heute weggelassen…

….wegen akuter Unlust.

Nachdem wir uns gestern eine Reportage auf Phönix reingezogen haben (…habe Titel vergessen… “Angriff der Killer-Hormone?” “Noch dreimal schlafen, dann sind wir alle weg vom Fenster?” “Kein Wasser mehr trinken, sonst Zwitter?” oder so ähnlich… ;) , in der uns neben vielen anderen Gruseligkeiten u.a. der Hodenpapst bei der TESE vorgeführt wurde, sind wir irgendwie ein bisschen duselig im Kopf.

T. meint: Sieht noch schlimmer aus, als ich es mir vorgestellt habe.

Tante Heinz meint: Sah längst nicht so gefährlich aus, wie mein aufgeblähter Bauch nach der Laparoskopie. Außerdem fand sie den Herrn Super-Schulze ganz nett. Sympathischerweise wurde gleich noch ein Paar vorgeführt, das mittlerweile mit Zwillingen sein Dasein verbringt. Trotz Azoospermie. Durchaus ein Grund, sich Hoffnung zu machen.

Soweit zu den Gedanken des weiblichen Teils dieser Wohngemeinschaft.

Alarmzeichen: T. sitzt schnaufend vor seinem CD-Regal, hat seine Kopfhörer auf, hört irgendeinen abgefahrenen Gitarristen und schweigt. Unbedingte Anzeichen, sich sofort Sorgen zu machen.

Gefahr droht. Lieber Gott, lass schnell Januar werden, lass Weihnachten und den ganzen anderen unwichtigen Kram weg und schick uns schnell zum Vorgespräch nach Hamburg.

Wenn mein Mann bis dahin jeden Abend vor dem CD-Regal vor sich hin vegetiert, dann kann der HNO-Notdienst schon mal sein Säckchen schultern.

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Stand der Dinge 2

Mein Hausarzt - seine Zeichens Chiropraktiker - hat sich meine Wehwehchen angehört, seine heilenden Hände angesetzt, kräftig gezogen und gedrückt und es hat furchtbar geknackt. Ich bin aufgestanden und die Welt war wieder in Ordnung. Er hat mir noch ne Spritze in den Allerwertesten spendiert, eine seiner Damen hat mich geschröpft, und danach hätte ich am liebsten erstmal ein Fass aufgemacht.

Nachdem ich im Wartezimmer mit meiner roten Wärmflasche auf der Schulter ein wirklich bemitleidenswertes Bild abgegeben haben muss und nahe dem Ende war, konnte ich danach selbstständig zur Apotheke gehen, dreißigtausend Euro für ein Schmerzmittel hinblättern und eine entspannte Heimfahrt genießen.

Jippijäi. Ich kann mich wieder frei bewegen. Nix mehr Luft im Bauch. Die böse Wirbelsäule war’s.

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Stand der Dinge

Arbeiten? Nö. Werden die kommenden Monate wahrscheinlich nur noch Kartoffeln essen, wegen akutem Umsatzeinbruch. Gott erhalte die Arbeitskraft meines Gatten…

Das aufrechte Gehen entwickelt sich zu einem echten Problem. Voraussichtlich werde ich für den Rest meines Lebens mit Buckel herumlaufen. Wobei es jetzt tatsächlich nur noch die linke Schulter betrifft (…prophezeit wurde mir die rechte… ;) . Positiv gestimmt kann ich also seit gestern von einem Fortschritt sprechen.

Nachdem ich heute meinen Gesundheitszustand mit dem Gang zum Adventskalender überprüft habe, bin ich mit dem Nummer-12-Päckchen direkt wieder ins Bett gefallen. Allerdings war mir nicht so schlecht, dass ich nicht den Inhalt, über den ich schon tagelang fühlenderweis nachgedacht habe, herauspulen konnte.

Was war drin? Ein Schinken. Aus Marzipan. In braun-rot, mit Hautfarbe durchzogen. Danke, T., Dir sei zu Gute zu halten, dass Du den Kalender vor meiner OP gepackt hast.

In Anbetracht der Tatsache, dass ich immer noch in keine einzige Jeans passe und mich mit diversen Ausscheidungen gleicher Farbe auseinandersetzen muss, ist dieser Schinken optisch und kulinarisch ein echter Treffer.

Gestern war’s ein Spongebob-Überraschungsei. Mit Spongebob-Stickern drin. Damit das kranke Frauchen etwas zu tun hat, während es auf der Couch rumlungert.

Würde ich ihn noch nicht so lange kennen, wären spätestens heute Zweifel an seinem Geisteszustand angesagt.

Ich fürchte mich vor morgen. Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass in punkto Adventskalender der absolute Höhepunkt nicht vor dem 22.12. zu erwarten ist.

Immerhin sieht keine der noch kommenden Verpackungen nach einer Kilopackung Dinkel-Mehl aus. Das gehört anscheinend mittlerweile nicht mehr zu T.’s Standard-Programm.

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…Tante Heinz schreibt gerne, aber im Titelfinden ist sie unkreativ - Und wie lang darf ein Titel hier eigentlich sein?…. erstellt von Tante Heinz.
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