Blöde Postfrau
Nachdem mir T. regelmäßig sagt, ich müsse ein bisschen böser werden, habe ich heute damit angefangen. Und zwar bei der Deutschen Post.
Also:
Nachdem unsere gute alte Postfiliale geschlossen wurde und nun in Form einer Theke im 9 km entfernten Einzelhandel besteht, hatte ich dort bisher noch nie einen Besuch, wo alles glattging. Eigentlich kann man sagen, Frau Postangestellte sieht mich und verdreht die blauen Äuglein.
Da die Post sich hier auch noch eine ausgedehnte Mittagspause gönnt, war ich eben latent im Stress. Schließlich habe ich heute auch noch Dinge zu erledigen, die nichts mit Blut abnehmen und Blut wegschicken zu tun haben.
Vor mir wie immer eine lange Schlange und nach einiger Zeit auch hinter mir. Ich hatte den Briefumschlag mit meinem Blut in der Hand und wollte einfach nur wissen, wieviel Porto da ‘drauf muss, um es danach schnell einzustecken.
Tante Heinz (nett, wie immer): “Hallo. Können Sie mir sagen, wieviel Porto auf diese Sendung muss?”
Dusselige Postangestellte (DPA): “Moment. 2,20 €.”
DPA: -stutzt und hält sich den Briefumschlag ganz nah vor die Augen-
DPA: “Da steht “Achtung, Menschliches Untersuchungsmaterial” drauf.”
TH: - nickt gratulierend, schließlich freut sie sich immer wieder über die Lesefertigkeiten ihrer Mitmenschen-
DPA: “Das kann ich nicht annehmen.” (holt bedeutungsschwanger großes Plakat unter der Theke hervor…
TH: (innerhalb von Sekunden innerlich aufgewühlt, schließlich hat sie sich das Blut am Rande eines Nervenzusammenbruches morgens um halb acht abzapfen lassen und wirklich nicht viel Freude dabei gehabt…
“Wiesondasnicht?”
DPA: “Schauen Sie hier. Dieses Zeichen muss da drauf sein. Könnte ja sonstwas drin sein. Infektionsgefahr undsoweiter, wissen Sie? Sehen Sie, auf diesem Umschlag (holt einen aus ihrer Überraschungskiste hervor) ist das Zeichen. Und deswegen darf der auch befördert werden.”
TH: “Und nun? Mein Arzt hat mir den Umschlag so mitgegeben. Der verteilt täglich viele solcher Umschläge. Und nun soll das hier auf einmal nicht angenommen werden?”
DPA: “Nehmen Sie es am Besten wieder mit, oder…. warten Sie mal.” (fängt an, die Briefklammer am Umschlag zu lösen)
TH: -traut ihren Augen nicht-
DPA: -macht den Umschlag auf und fährt mit der Hand rein-
TH: zischt: “Machen Sie sofort den Umschlag wieder zu!”
DPA: “Ich schaue nur eben, ob alles ordnungsgemäß verpackt ist.”
TH: “Und das tun Sie nicht. Das ist nämlich immer noch meins, was da drin ist.” (Ich muss sagen, ich war selbst überrascht, welch böse Färbung meine Stimme annehmen kann…
Grapp, den Umschlag aus den Händen der blöden Frau befreit und wieder in die Tasche versenkt.
TH: “Ich hätte jetzt gerne sofort eine Marke über 2,20.”
DPA: “Ich mache Sie darauf aufmerksam, dass das gegen unsere Beförderungsbedingungen verstößt, sollten Sie diesen Umschlag einfach in den Briefkasten stecken.”
TH: “Das ist mir total wurscht. Ich werde diese schöne Blümchenbriefmarke nun liebevoll auf diesen Briefumschlag kleben und denselben danach in den Kasten stecken. Und zwar nicht in Ihren.”
Höchstwahrscheinlich hat die Dame gerade alle Hände voll zu tun. Schließlich muss sie die gesamte Belegschaft der örtlichen Post nun darüber informieren, dass sie spätestens morgen die Pest am Hals haben. Oder mindestens einen Tripper.
Ich hingegen habe sehr zufrieden meinen geheimnisvollen Umschlag auf die Reise geschickt. Und wehe, der kommt nicht an. Man ist ja schließlich nicht alle Tage an Zyklustag 22.
Wieso begegne ich hier eigentlich fast täglich solchen Volldeppen? Man kann es ja fast mit der Angst zu tun bekommen.

Dienstag, 21 November 2006 um 1:39 nachmittags
Liebe Tante Heinz,
warum kann eine Blutverschickung bei dir nicht ganz unspektakulär ablaufen? Irgendwie scheinst du den Ärger anzuziehen wie ein Magnet.
Zu der DPA: Ich hätte ihr gesagt, sie soll ihre Griffel von meinem Aidstest- Blut nehmen.
Tja in der tiefsten Pampa muss man meilenweit für eine Briefmarke reisen, geht mir leider auch so.
LG Tina
Dienstag, 21 November 2006 um 1:48 nachmittags
Liebste Tina,
dasselbe frage ich mich auch…. Komischerweise sind’s immer die Frauen, die Probleme machen. Werde mich zukünftig nur noch mit Männern auseinandersetzen.
Dienstag, 21 November 2006 um 5:12 nachmittags
Wir haben letzte Woche an der aussichtslosen Unterschriftenaktion zur Erhaltung unserer Post teilgenommen. Wenn unsere Filiale, die übrigens den langsamsten DPA Deutschlands beherbergt, dann geschlossen ist, dann müssen wir von München in ein Nachbardorf fahren, um dort unsere Päckchen abzuholen!!! Mein Mann beschließt nach jedem Post-Besuch ein Blog einzurichten, um seine traumtischen Erfahrungen verarbeiten zu können. Ich freu mich auf den Tag, wo er tatsächlich die Zeit dazu hat
Dienstag, 21 November 2006 um 6:01 nachmittags
Jetzt werden selbst in München schon Poststellen geschlossen?! Dann kann ich ja das “AufdemLandwerdeichbenachteiligt-Argument” gar nicht mehr gebrauchen. So’n Mist.
Dienstag, 21 November 2006 um 7:07 nachmittags
Nee, das zieht nicht mehr… Wenigstens wird es bei der jetzt angekündigt, eine andere Filiale auf unserem Arbeitsweg war von heute auf morgen einfach verschwunden. Mit uns stand ein Mann vor der Tür und meinte kopfschüttelnd: “Das hätten die mir gestern auch sagen können!”
Donnerstag, 23 November 2006 um 3:40 nachmittags
Grins… unsere Postfiliale befindet sich in einer Kabine im örtlichen Sonnenstudio. Ich stelle mir das sehr aufregend vor, wenn man gerade unterm Münz-Mallorca hockt und eine Kabine weiter wird sich dann um Portogebühren geklöppt *grins*