Blöd
Die Katze ist krank. Sie hat Magen. Und sie hat so deftig Magen, dass sie gestern in die Tierarztpraxis eingezogen ist.
Schuld an der Magenkrankheit? Tante Heinz. Denn die hat die Pest in Form eines Oleanders auf den Balkon geholt.
Wieso da nicht ‘draufsteht, dass das Dreckszeug giftig ist, kann mir keiner verraten. Ich für meinen Teil wusste es nicht.
Wieso die Katze plötzlich an Giftkram knabbert, kann mir auch keiner sagen. Wir vermuten, da war irgendein Blattglanz-Hokuspokus ‘draufgesprüht, der sie olfaktorisch verführt hat.
Naja. Manchmal kotzen Katzen. Deswegen haben wir uns am ersten Tag keine Sorgen gemacht. An Tag zwei schon eher. An Tag Drei erwischten wir sie beim intensiven Techtelmechtel mit dem grünen Bäumchen.
Da war T. dann auch zum ersten Mal mit ihr beim Tierarzt. Weil T. aber ein Mann ist und die Tierärztin eine Frau, hat sie sich die Vorwürfe aufgespart für meinen Besuch gestern. Die Chef-Tierärztin war nicht da, deswegen mussten wir uns mit der blöden Assistentin vergnügen.
Über die Woche haben wir der Katze Anti-Kotz-Spritzen in den Wanst gejagt (..danke, ICSI, ich bin eine echte Heldin..) und ihr fingerkuppenweise Futter in den Mund gelegt.
Was sie nach 5 Minuten wieder ausgekotzt hat.
Weil das ja nun irgendwie kein Zustand ist, bin ich gestern wieder dort aufgeschlagen. Vor uns: Ein Hund, der vorher eine tote Katze gefressen hatte. Der wiederum hat das Pro-Kotz-Mittel bekommen, damit man danach untersuchen konnte, woran die Katze gestorben ist. Super. Da stieg die Laune. Gottseidank durfte er draußen brechen und nicht auf den Untersuchungstisch..
Eine 0-Sterne-Pension. Doofe Assistenzärztin. Resignierte Katze. Ob der Blicke der Katze in Tränen aufgelöste Tante.
Ein Anruf bei der Tierärztin (…der netten… ) ergab: Sie muss noch eine Nacht bleiben. Sie hing bis mittags am Tropf, hat ein bisschen gefressen und noch nicht gebrochen, soll aber weiter beobachtet werden. Außerdem ist sie zu dick.
Ich hätte mal lieber nicht gefragt, wie sie sich so verhält, denn die Ärztin sagte nach langem Nachdenken: “Naja. Sie ist schwierig. Sie ist eben ein bisschen verstört.”
Jaja. Verstört. Das war das falsche Stichwort für mich. Stelle fest: Ich muss gar keine Hormone nehmen. Gewisse Vorstellungen reichen auch in der hormonfreien Zeit aus, mich niederzuschmettern.
Aber was habe ich erwartet? Wir sprechen von der Katze, die sich von niemandem streicheln lässt, als von T. und mir. Die Katze, die meine Mutter beim Urlaubsfüttern aus immerderselben Ecke und permanent mit dem berühmten Todesblick anstarrt, so dass sie schon von ihr träumt. Die Katze, die dem Heizungsableser von der Fensterbank aus eine auf die Glatze zimmert.
Kein Wunder, dass sie als schwierig bezeichnet wird. Man kann es auch als “gestört” bezeichnen.” Das Wort “verstört” allerdings macht mir eher Sorgen.
Morgen dürfen wir sie vielleicht abholen. T. war gestern schon ganz deprimiert. Offiziell ist es nämlich seine Katze.
Heute abend sollten wir uns tüchtig einen ziehen, dann geht die Zeit schneller rum.