Die ein oder andere Leserin war ja schon im Bilde, als Tante letzten Monat bereits 1 Woche vor meinem Geburtstag um mich herum wuselte und immer wieder Kommentare zu meinem Geburtstagsgeschenk “streute”.
Wenn irgendeine angekündigte Festivität ansteht an der wir uns etwas schenken, ist der Schenkende meistens schon zwei Tage vor dem Termin so aufgeregt, dass die Geschenkübergabe nicht selten ein bis zwei Tage vorher über die Bühne geht.
Wir sind da auch an Weihnachten recht schmerzfrei. Wir hatten schon mehr als einen Heiligabend ohne Geschenke unterm Baum – weil der zu diesem Zeitpunkt schon längst geplündert war….
Zum Geburtstag überreichte sie mir dann ein Blatt Papier mit seltsam kryptischen Zeichen, die so aussehen:
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Dazu noch üppige Angaben wie “phrygisch” / “Ulli” / “Schreiner” usw. Schön schmucklos auf Papier gedruckt und grinste von einem Ohr zum anderen.
“Freust Du dich?”
Hä?
Öh – ja.
Tolles Blatt das.
“Du musst googeln!”
Au ja.
Ich war etwas irritiert – habe dann aber gegoogelt und tatsächlich führte “phrygisch” zur “phrygischen Mütze” und die Mütze ührte dann zum einzigen Sportler, den ich anzuhimmeln bereit bin – zumindest zu soviel Himmelei wie ich mir zugestehe:
Arthur Abraham
King Arthur um es zu präzisieren.
Dieser Boxer der es fertig bringt 2 Runden gar nix zu machen um dann – nachdem ihn der Trainer mit “möööönsch Arthuuuuuuuur – patpatpat – Du musst auch mal schlagen – hmmmmmm? – Du bist doch der Weltmeister – hmmmmmmmm? – patpatpat – rechts / gerade / haken – Arthuuuuur!!” wachgerüttelt hat, seinen Gegenüber mit selbigen 3 Schlägen KO zu hauen und den Kampf vorzeitig zu beenden.
Jep. Ich mag Boxen.
Keine Ausflüchte wie: “Wir haben nicht ins Spiel gefunden!” Oder “Wir konnten keinen Druck aufbauen.” Keine Ausreden.
Ein Sieger.
Ein Verlierer.
Selten mal ein Unentschieden.
Manchmal führt einer 11 Runden – und bekommt in der zwölften dann einen Schlag und geht zu Boden. Und verliert.
Also bleibt es spannend bis zum Schluss.
Und ja, es gibt natürlich ein paar Boxer die ich mag.
Die Klitschkos mag ich. Den Sturm auch. Und den Maske habe ich mir auch mal angesehen. Aber Fan bin ich nur von Arthur Abraham.
Kiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiing Arthuuuuuuuuuuuuuuuuuur Aaaaaaaaaaaaabrahaaaaaaaaaaaaaaaaaam!
(Are you ready to rumble?)
Sicher.
Ein Fan von einem Sieger zu sein ist einfach.
Aber auch der King wird irgendwann seinen Meister finden.
Und ich werde ihn immer noch mögen!
Genug geschwallt.
Tante hat mir/uns zu meinem Geburtstag 2 Karten für die Mittelgewichts – Weltmeisterschaft in Kiel geschenkt! Parkett. Klassische Sitzposition in Reihe 10 ebenerdig zum Ring.
Boah.
Fett.
LmaA!
Die Tante! Ich hatte irgendwann mal gesagt, dass ich einen Boxkampf live sehen will und idealerweise den King! (Der früher immer ne goldene Schlumpfmütze auf hatte – daher der Hinweis phrygisch!)
Und nun hatten wir Karten.
Und ne Hotelbuchung. Schließlich ist Kiel von hier aus gesehen nicht gerade nebenan! Sind ja bloss etwas über 400 KM. Aber wer für’n Rockkonzert nach Dänemark fährt, fährt auch für den King nach Kiel!
Also am 14ten nach Kiel.
Fahrt war klasse. Kein Stau. Wenig Deppen.
Und Kiel? Kiel ist toll. Ich bin ja nicht der geborene Shopper. Aber wenn ich mal zum Shoppen gehen will, dann fahre ich nach Kiel. Leckomio. Was für eine fette Einkaufzeile. Und wenn man durch ist (durch die Zeile!!) wechselt man die Straßenseite und latscht in die Nächste. Dazu noch ein netter Hafen, Fischbutzen und nette Kneipen.
Und das alles in einem recht übersichtlichen Städtchen.
Sehr fein!
Das Hotel – ein “Best Western” – war in jedem Fall ein Erlebnis:
Gelbblaue Gardine vs. schwarzgelber Teppich vs. türkisgrüne Fensterläden vs. Bett mit silbergrünmetallicfarbener-Fototapete vs. rotbraune Eschenmöbel
Boah. Aua.
Das brennt aber in den Augen!
Und wieso 2 Matratzen übereinander ein Bett sind werde ich auch nie verstehen!
Egal. Immerhin gab es ein LCD-TV an der Wand und eine supergünstige Minibar!
Und das Frühstück?
Exzellent. Wir haben gefuttert bis man uns rollen konnte.
Es gibt nichts besseres als ein ausgedehntes und üppiges Frühstück!
Wenn man mal von einem Kampf mit dem King absieht!
Ach ja, der Kampf!
Boxen ist anders. Keine Vereinsmeierei. Oder zumindest wenig. Die Trikots waren – wenn denn sichtbar – vom Strassenkinderboxcamp. Oder vom Stall des Champs. Die Leute sind anders. Neben ein paar B/C/D-Promis viele Omis. Viele Opis. Jede Menge Luden aus diversen Rotlichtmilieus. Samt aufgetakelter Schönheiten. Dumbatze gibts ebenso wie Professoren. Bierschlucker wie Proseccoschlürfer. Gediegene Unterhaltung und Prollgebrüll. Dazu die klassische Show mit lauter Musik, bunten Lichtern und den wichtigen Einmärschen vor jedem Kampf – und derer gabs einige.
Und Hormone.
Weibliche Hormone.
Massen von weiblichen Hormonen wabern durch die Halle wenn die Muskelpakete aufeinander eindreschen!
Ganze Hormonpfützen dampfen unter den Stühlen.
Insbesondere als dann der King (zunächst) die Bühne betrat. Mit ordentlich Live-Musik von Christina Stürmer. Standesgemäß im güldenen Königsmantel.
Und kreischender Weiblichkeit überall. Mädels. Frauen. Omis.
Hui.
Und Männer.
Aber keine Chöre wie beim Fussball.
Nur archaisches Gebrüll.
Geil.
Da brüllt man doch gern mit!
Aaaaaaaaaaaaaaaarrrrrrrrthhhhhhhhhhhuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuurrrrrrrrrrrrrrrrrrr!!!!!!!!!!!!!!!!
Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaarrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrggggggggggggggggghhhhhhhhhhhh!!!
Dann betrat der King den Ring. Der (bis dahin ungeschlagene) amerikanische Mittelewichtsmeister hatte große Augen bei dem Theater.
Und die Tantenaugen erst, als der King dann endlich seine Muskeln entblösste!!
Aber nicht nur die Tante! Nahezu alle Damen waren wie irre!!
Nicht zu vergessen die Männer. Die allerdins weniger wegen der Muskelpakete als der Befriedigung anderer niederer Triebe!
“Hau ihn um!”
Hossa.
Nein, der King hat ihn nicht umgehauen. Der King musste aufpassen, dass er nicht selbst umgehauen wird! Bis zur letzten Runde war alles drin und es war richtig spannend.
Tante hat Arthurs Muskeln angehimmelt und ist zeitgleich dem Charme der uns umgebenden Massen erlegen:
Die sinnfreien Kommentare zu des Kings Strategie (wenn er denn noch eine hatte), die gehässigen Sprüche der Muttis wenn die Boxenluder die nächste Runde anzeigten und mit ordentlich Silikontitten wedelten (was die Männer zu ziemlichem Gejohle animierte) und getreu Peter Foxxens Aufforderung “Schüttel dein’ Speck – schüttel Bug & Heck” schwingend wieder den Ring verliessen.
“Was finden Männer bloss gut an den Hühnchen?” ereiferte sich eine blasse Blonde hinter mir. Hätte ich ihr sagen können:
Nettes Lächeln, schicke Hupen, tolle Figur! Genau das was ein sabbernder Boxfan in den zwei langen Minuten sehen will, die die eine von der anderen Runde trennen.
Okay, wenn man sich die Hühnchen auf deren Seite www-boxinggirlz-dot-com genauer ansieht, verweht deren “Schönheit” wie Auspuffgase im Morgenwind….
Aber am Abend? Coole Bräute!
Alle mal besser als ein blasses blondes Mäuschen in Hemd und Pullunder!!
Tante:
“Der hat ein Gesicht wie 30 Jahre Zuchthaus. Aber sooo geiiil ausdifferenzierte Rückenmuskeln…..gnagnagna…….!”
^^ hrhr
Jaja. So hatten wir beide unseren Spaß!
Ich hab’ eine neue Baseballcap, einer von Tantes kleinen Patienten eine Autogrammcard und wir beide eine ziemlich dämliche Audio-CD vom King mit ordentlich trauriger armenischer Flöte und tiefen Beats (…respect the middleweight champion of the
world….)! Jaja. We respect the Champion natürlich. Den alten Ex-Armenier mit deutschem Pass.
Gerade verhökert der der wieder Handschuhe, Hose und Mantel bei Ebay für krebskranke Kinder.
Der König weiß halt was die Massen mögen:
Brot und Spiele!
Gar nicht so neu, diese Erkenntnis!
Funktioniert aber!
Sollte er nochmal in Deutschland boxen gehen wir wieder hin!
Das ist richtig großes Tennis und Fussball ist ne Luschennummer dagegen!
T.