17.06.08
Größe und Schrecken der Liebe
Notizen
C.S. Lewis aus “Vier Arten der Liebe”
S.161: “Für Eros sind all diese Überlegungen ohne Belang - genau wie das kühlende, rohe Urteil des Lukrez ohne Belang für Venus ist. Auch wenn es unausweichlich klar wird, daß eine Heirat mit der geliebten Person unmöglich zu Glück führen kann - auch wenn sie kein anderes Leben verheißt als die Pflege eines unheilbar Kranken, als hoffnungslose Armut, als Verbannung oder Schande - Eros zögert nie mit der Antwort: *Besser dies als Abschied. Lieber elend mit ihr als glücklich ohne sie. Mögen unsere Herzen brechen - wenn sie nur gemeinsam brechen.* Wo die innere Stimme nicht spricht, ist sie nicht Eros.”
S. 164 “Alle Bilder, die man uns bisher vom Übermenschen gezeichnet hat, sind so wenig anziehend, daß man augenblicklich dem Heiraten abschwören möchte, um der Gefahr zu entgehen, ihn zu zeugen. Und zweitens muß diese Theorie zum Schlusse führen, daß sich die Lebenskraft nicht sehr gut auf ihr Geschäft versteht. Soweit wir sehen, bietet das Vorhandensein oder die Inständigkeit von Eros zwischen zwei Menschen keine Gewähr dafür, daß derenNachkommen besonders befriedigend ausfallen oder daß überhaupt Nachkommenschaft auftritt. Zwei im Sinne des Viehzüchters gute *Stammbäume*, nicht zwei gute Liebende, ist das Rezept für gesunde Kinder. Und was in aller Welt hat die Lebenskraft während all der zahllosen Generationen getrieben, als das Kinderzeugen sehr wenig vom gegenseitigen Eros abhing und sehr stark von Verträgen, Sklaverei und Brautraub? Ist ihr diese Glanzidee zur Verbesserung der Art eben erst eingefallen?”
S. 170: “Verliebtsein heißt, lebenslängliche Treue sowohl beabsichtigen wie versprechen. Liebe legt unaufgefordert Gelübde ab; sie läßt sich nicht davon abschrecken. *Ich werde dir stets treu sein*, sind fast die ersten Worte, die sie äußert. Nicht heuchlerisch, sondern aufrichtig. Keine Erfahrung kann sie von dieser Selbsttäuschung heilen. Wir haben alle schon von Leuten gehört, die sich alle paar Jahre von neuem verlieben; jedesmal ehrlich davon überzeugt, daß es *dieses Mal das Wahre* sei, daß es jetzt mit dem Umherschweifen ein Ende habe, daß sie die wahre Liebe gefunden hätten und selber bis zum Tode treu sein werden.
Und doch hat Eros in gewissem Sinne recht, wenn er dieses Versprechen gibt. Das Ereignis des Sich-Verliebens ist von solcher Art, daß wir die Vorstellung, es sei nur vorübergehend, mit Recht als unerträglich von uns weisen.”
S.181 “Es gibt keine sichere Anlage. Lieben heißt auch schon verletzlich sein. Liebe irgend etwas, und dein Herz wird ganz gewiß gequält und möglicherweise gebrochen. Willst du dein Herz ganz zuverlässig unversehrt bewahren, darfst du es nie verschenken, nicht einmal einem Tier. Umgib es sorgfältig mit Steckenpferden und kleinen Verwöhnereien; meide alle Verwicklungen; verschließe es sicher in den Schrein - gesichert, dunkel, reglos, ohne Luft - verändert es sich. Es bricht zwar nicht; es wird unzerbrechlich, undurchdringlich, unerlösbar. Du hast nur die Wahl zwischen Tragik - oder wenigstens dem Wagnis einer Tragödie - und Verdammung. Der einzige Ort außerhalb des Himmels, wo du vor allen Gefahren und Trübungen der Liebe vollkommen sicher sein kannst, ist die Hölle.”
S.201: “Die eigentliche Leistung muß unter allen unseren Leistungen die allergeheimste sein, soweit wie möglich sogar uns selbst verborgen bleiben.”