Wo ist bloß die Farbe hin
Seit einiger Zeit gibt es für mich nur noch schwarz, weiß und soetwas wie eine Grauzone. Es wächst mir alles über den Kopf und ich frage mich, wo das noch hinführt. Ich kann nicht richtig abschalten, bekomme meinen Kopf nicht frei, stehe ständig unter Strom. War ich für das alles zu jung?
Konnte ich mit 20 wirklich wissen, worauf ich mich da einlasse? Selbständig in der Gastronomie, das ist kein Zuckerschlecken. War mir klar. Es ist nicht fair von mir, aber insgeheim mache ich S. Vorwürfe wegen unserer Situation. Es war ja seine Idee, sich selbständig zu machen. Zugegeben, es war meine Entscheidung, da mitzuziehen. Trotzdem bekomme ich das Gefühl nicht los, dass ich mehr “Opfer” gebracht habe. Zu Anfang unserer Selbständigkeit habe ich noch Vollzeit in der Bank gearbeitet. Immerhin hatte ich wirklich Spaß an meinem Job, und das Geld war uns sicher. Das Ganze habe ich etwas über ein halbes Jahr ausgehalten, dann ging nichts mehr, und ich habe gekündigt - was mir nicht wirklich leicht fiel. Jedoch wurde es gleich besser - ohne die Doppelbelastung. Irgendwann in dieser Zeit kam dann auch der KiWu auf. Nach der gesamten Diagnostik war klar, dass nur IVF in Frage kommt, das war 1999! Ich hätte - nachdem der erste Schock verdaut war - am liebsten sofort losgelegt. Aber mein Männe hat mich schön ausgebremst. Wir haben ja noch Zeit blablabla. Irgendwann waren wir in unserem alten Lokal “unterfordert”, es sollte eine Veränderung her, auch um die Erfüllung des Familienwunsches voran zu treiben. So wurde uns also unser heutiger Betrieb angeboten. Boah, waren wir platt, der Eigentümer wollte uns unbedingt haben.
Nun und jetzt sitze ich hier, Hotel mit 19 Zimmern, Restaurant bis zu 70 Plätze, Bistro, Tagungsraum,… Die Aufteilung ist klar, S. macht Küche und Einkauf, und ich den ganzen Rest. Soll heißen, Service, Verwaltung, Front- und Backoffice, sämtlichen Schreib- und Papierkram. Es bleibt alles an mir hängen. Für S. hat sich in den ganzen Jahren nicht wirklich viel verändert, okay, der Aufwand ist ein größerer. Aber ich muß mich ständig in neue Themen einarbeiten, Sachen von denen ich keine Ahnung habe, wie z. B. Brandschutzbestimmungen, Trinkwasserverordnung, und was weiß ich nicht noch alles. Ich bekomme dahingehend Null Unterstützung von S. Im Gegenzug muß ich aber dazu in der Lage sein, die Einkäufe zu erledigen, und im Krankheitsfall in der Küche einzuspringen. Und genau das ist es, was mich auf die Palme bringt. Er erwartet von mir, dass ich in allen Dingen funktioniere, arbeitet sich aber nicht in mein Gebiet ein. Es ist in der heutigen Zeit kaum zu glauben aber wahr… Mein Mann kann mit dem PC nichts, aber auch gar nichts anfangen. Keine Mails checken, oder sonstiges. Ich habe ihn schon so oft darum gebeten, sich mit der Materie zu beschäftigen - nichts! Aber wenn es um einen Plasma oder Flachbildfernseher geht, da kann er sich mit auseinander setzen. Auf mir lastet deswegen ein wahnsinns Druck. Da wir dieses Jahr eine Menge Kosten hatten, habe ich die letzten Monate auch noch den Frühdienst mitgemacht. Heißt jeden morgen um 6.00 Uhr anfangen. 7 Tage die Woche
In der Regel mache ich dann mittags mal ein zwei Stunden Pause und arbeite dann noch bis 21.00/22.00 Uhr. Der Haushalt will natürlich auch noch gemacht werden… Okay, da hilft er mir, die Wäsche bleibt jedoch an mir alleine hängen.
Samstag, 29 September 2007 at 15:51
Och Süße, lass dich drücken.
Solange du noch ein weiß in deinem Sortiment findest, ist Hopfen und Malz noch nicht verloren
Unsere Situation ist viel ähnlicher, als ich angenommen habe. Der einzige Unterschied zwischen uns ist die Tatsache, dass ich immer noch 2 spurig fahre -als Angestellte und private bzw. kostenlose Büro-, Organisations-, Baustellen- und Hausdame
Viel Glück mit deiner Neuen Angestellten. Ich hoffe, sie hält, was sie verspricht.
LG Nine
Samstag, 29 September 2007 at 16:27
Hallo Kolibri,
keine Frage, bei mir und meinem Mann wäre die Arbeitsteilung auch genau so. Für ihn ist es auch super praktisch so, Du kümmerst Dich ja um alles. Was ist, wenn Du krank bist, wenn Du wegen eines Kindes aussteigen musst??
Dann muss ER wohl ran. Und bis dahin hat er es schön bequem.
Ich versuche seit Jahren, mein Verhalten zu ändern, damit er seines ändert. Das heisst, Dinge liegen zu lassen, einfach so. Mit der “Bemutterung” aufhören. Und siehe da, manchmal funktioniert es und er kommt dann wirklich in die Pötte. Nur reden alleine hilft aber leider nicht.
Ich habe noch einen langen, langen Weg vor mir. Aber irgendwann wird es gut sein und die Last gleichmässig verteilt sein. Ich kämpfe…!!!
Machst Du mit?
Liebe Grüsse,
Rapunzel..
Samstag, 29 September 2007 at 19:25
Ach Ihr Lieben!
Es tut gut, zu wissen dass ich nicht die Einzige bin. Ich danke Euch für den Zuspruch.