ist gemacht! Ich bin auf dem richtigen Weg – auf meinem Weg! Nach kurzem Rückzug meinerseits hatte ich gestern ein Erlebnis der besonderen Art. Meine Freundin T. ist Physiotherapeutin und macht derzeit eine Weiterbildung zur Osteopathin. Meine Schulterprobleme haben in letzter Zeit wieder zugenommen. Ausserdem hat sich in den letzten Jahren meine Nasenscheidewand so verschoben, dass eine OP unumgänglich ist. Rechts ist meine Nasenatmung total eingeschränkt. Geplant war das eigentlich für diesen Sommer. Dazu die ungewollte Kinderlosigkeit.
T. hatte mich schon vor einer Weile darauf angesprochen, dass mir vielleicht ein Osteopath helfen könne. Sie selbst sei noch nicht so weit, hätte aber einen guten Dozenten. Vor ein paar Wochen kamen wir nochmal auf das Thema. Und so hat sie mir kurzerhand einen Termin bei ihm verschafft. Das war dann gestern. Ich hatte ca. eine Stunde Anfahrt. Da habe ich mir bereits viele Gedanken gemacht, was da nun auf mich zukommt. T. nahm mich in Empfang und ich drückte sie erstmal ganz fest. Sie war während der Behandlung dabei und hat für mich Unterricht geschwänzt
M. der Therapeut, ein kleiner, vielleicht 1,75 m großer, sehr sympathischer Holländer mit kurzem, wuscheligem grauen Haar fragte mich wie er mir helfen könne. Ich weiß, dass er von T. schon einige Punkte wußte. Ich erzählte von meiner Schulter und den damit verbundenen Schmerzen, den bisherigen Maßnahmen. Von meiner Nase und dass sie operiert werden müsse.
Er: “So, Operation! Sagt man so.”
Ich: “Ja, ist so!”
Er: “Mal schaun” schaut mich an “Und, was ist da noch?”
Ich: “Ich bin ungewollt kinderlos!”
Er hinterfragt meine Schwangerschaften, und wie ich mich dabei fühlte. Ich schlucke! Das ist harter Tobac. T. greift meine Hand! Danke! Dieser Mann kennt mich nicht, ich kenne ihn nicht! Und trotzdem oder gerade deswegen breite ich vor ihm mein Innerstes aus und das kostet Kraft! Ich muss mich kurz sammeln!
Er stellt einige sehr konkrete Fragen. Auch über mein familiäres Umfeld. Schon da bin ich fürs erste den Tränen nahe. Bin dankbar, dass T. bei mir ist, greife ihre Hand. Dann, noch einige Fragen zur allgemeinen Gesundheit und den Lebenumständen.
Er: “Wie war Deine Kindheit?”
Ich: “Nicht so schön. Es gab viele Probleme. Häusliche Gewalt, Alkoholmißbrauch, Verzicht, finanzielle Probleme” Schluck!
Er: “Fühltest Du Dich als Kind eher gewollt oder”
Ich unterbrach: “Ungewollt! Eigentlich sollte meine Mutter bereits sterilisiert gewesen sein als ich unterwegs war!”
Er hat mich gebeten mich auszuziehen. Also die Hose und den Pulli. So stand ich dann in Unterhemd und Socken vor ihm. Er sagte zu mir ich solle T. anschauen, dann sehe ich etwas das ich kenne, etwas vertrautes. Er stellte sich hinter mich und berührte meinen Rücken. Ich spüre seine Hände im Nacken und am Schädel. Er greift um mich herum und legt die Hände auf meinen Bauch. Dann wieder zum Nacken. Seine Hände ruhen. Ich fühle mich geborgen, aber auch ein bisschen unheimlich. Es tut sich was unter meinem Brustbein. Tränen steigen auf. Aber noch fließen sie nicht!
Dann lege ich mich hin und er tastet sich über meinen Körper. Ich soll ganz tief einatmen, ausatmen. Das mehrere Male, während er meinen Körper ertastet. Blase blockiert, Gemärmutter blockiert, Halswirbel blockiert, Milz blockiert. Super! Er spricht von Traumata und Großbaustelle! Ich habe es gewußt! “Ich habe schon zu T. gesagt, dass da einiges im Argen liegt und ich ehrlich gesagt auch etwas Angst davor habe!” Er greift um mich herum hält mich hier, schiebt dort. Alles ganz sanft. Dann stellt er sich hinter mich und greift meinen Kopf. Legt eine Hand auf mein Brustbein. Die Tränen steigen. Ich fühle mich unglaublich geborgen. Bin ganz ruhig und atme gleichmäßig. Ich spüre die Tränen. Greife nach T.s Hand. Sie sitzt neben der Liege. Und dann laufen sie
ganz still aber stetig. In meinem Körper arbeitet es. Ich kann es nicht in Worte fassen. Der Bauch rumort, es kribbelt hier. Dort wird es warm. Ich werde von M. gehalten und halte selbt T.s Hand. Langsam beruhige ich mich und die Tränen stoppen. “Was ist da gerade passiert?!” “T. ich bin so froh, dass ich Dir das alles nicht erklären muss!” Als ich mich einigermaßen gefangen habe, erstmal Nase putzen und dann in die Bauchlage. M. sitzt vor mir und Schiebt beide Hände auf mein Brustbein. Ich lege meinen Kopf auf die Innenseite seiner Arme. “Ist es so okay für Dich?” “Ja, danke”
“Du hast keine Daseinsberechtigung!” Ich lache kurz impulsiv auf! “Das ist es, was Du bisher gefühlt hast! Und eben bist Du angenommen worden, Du bist gewollt. Das ist gerade passiert!” Und Sekunden später bricht es aus mir heraus. Mein Körper bebt, und ich heule und ich schluchze wie selten zuvor. Auf T.s Hand ist verlaß. M. sagt, ich könne auch gerne ihn greifen. Das mache ich sofort. Alles bricht aus mir heraus. Fühle mich so wahnsinnig geborgen! Das dauert eine gefühlte Ewigkeit. Ich merke, wie ich langsam ruhiger werde. Ganz langsam beruhige ich mich. Beide erkundigen sich nach meinem Wohlbefinden. Ich antworte ehrlich “Es geht mir gut! Ich bin durcheinander, aber es geht mir gut. Ich danke euch beiden!”
Ich gehe nochmals in die Rückenlage. Er tastet wieder an meinem Körper, meinem Nacken, dem Bauch, dem Kopf. Ach ja, von meinem Piercing habe ich mich seit gestern verabschiedet. M. sagte, dass sei besser. Und obwohl ich keine handfeste Erklärung dafür bekommen habe habe ich es an Ort und Stelle herausgenommen. Später sagte mir T. sie trägt ihres auch schon eine ganze Weile nicht mehr. Zum Schluß stupste er mir auf die Nase und sagte “Die wird nicht operiert” Wegen des holländischen Akzentes hatte ich das aber zuerst anders verstanden.
Ich hatte mich schon vor einigen Wochen gegen die im Sommer geplante OP entschieden. Beziehungsweise wollte sie erst im nächsten Frühjahr machen lassen. Jetzt bin ich aber doch gespannt, ob es tatsächlich auch ohne gehen könnte
Fakt ist, dass ich seit gestern tatsächlich besser Luft bekomme. Überhaupt, ich kann ganz anders durchatmen. Kein Wunder, wenn der ganze Körper blockiert war. Mal schaun
M. sagte dann, dass wir zwei auf jeden Fall erstmal spazieren gehen sollen. An die Luft, wir hätten bestimmt viel zu bereden. Ich fragte, wie es denn nun weitergeht. In ca. 8 Wochen will er mich nochmal sehen. Solange soll das erstmal in meinem Körper arbeiten. Puh, ich kann das wirklich nicht in Worte fassen. Aber ich spüre seit gestern wirkliche Veränderungen in meinem Körper. Immer anders. Nicht wirklich zu begreifen. Wirklich viel konnte ich danach gar nicht erzählen. Und ich war froh, dass es für T. absolut nachvollziehbar war.
Wieder daheim, berichtete ich S. so gut es mir eben möglich war von der Behandlung. Ich habe selten in knapp eineinhalb Stunden so viel erlebt! Und es fällt mir wirklich schwer, das, was mir da gestern passiert ist in Worte zu fassen. S. bewertet das alles sehr postitiv. Keine Spur von Skepsis. Ich bin gespannt, was wir da in Gang gebracht haben. M. sagte noch zum Abschluß zu mir “Jetzt bist Du auf Deinem Weg! Jetzt kannst Du Du sein und musst nicht immer tausend Sachen machen, nur um zu zeigen dass Du da bist!” Woher kennt der Mann mich so gut?