Nach dem wir gestern die schockierende Nachricht von Mondschein bekommen haben, gehen meine Gedanken mehr den je zurück an eine Zeit als mein überalles geliebter Opa noch lebte. Von Anfang meines Leben waren wir Seelenverwandete und ich fühlte mich auch ohne große Gespräch und die Entfernung von 60 KM im immer sehr nah.
Wie groß war der Schock als am 2.Weihnachtstag 1999 der Anruf kam, das mein Opa einen Schlaganfall gehabt hat. Halbseitig rechts gelähmt und auch der Verlust der Sprache. Ja, sicher er war 80 Jahre alt, aber bis einen Tag vorher topfit!!!Er hat noch immer selber seinen Garten umgegraben, hat die Kirchenzeitung ausgetragen und auch die Abbrechnungen alleine gemacht und sovieles mehr. Er liebte die Sportsendungen und die haben wir immer, wenn wir da waren, gemeinsam geguckt. Es herrscht dabei eine friedliche und schöne Stimmung. Für mich ist das Schlimmste, das mein Opa die ganze Nacht neben seinem Bett gelegen hat, meine Oma und er haben getrennte Schlafzimmer und meiner Oma ist das Fehlen am Morgen nicht aufgefallen, da mein Opa immer schon sehr früh unterwegs war. Die beiden konnten nicht mit und auch nicht ohne einander, halt eine typisch von den Eltern geschlossene Ehe nach dem Krieg auf dem Land (Ostpreußen). Nach dem Schlaganfall sind dann meine Großeltern zu uns, meine Eltern leben auch hier, nach Oberhausen gezogen.Das war im November 2000, es war so schön sie endlich bei uns zu haben. In der Zeit haben der Schwedenmann und ich uns auch verlobt. Ich habe davon geträumt das mein Opa mich zum Altar begleiten würde….aber es kam anders. Mein Opa hat viel Kraft in seinte Genesung gesteckt, die Sprache hat er mühselig wieder erlernt, das schreiben mit der linken Hand und auch mit ein wenig Hilfe kleine Stücke zu laufen!! Ja und dann kam der Februar 2000. Am 20.02 ist er ins Krankenhaus eingeliefert worden, weil Verdacht auf Gelbsucht bestand. Das wäre nicht so schlimm, er hatte neue Tabletten bekommen und das müßte nur neu eingestellt werden und evtl eine Bluttransfusion am Mittwoch. Weil der Schwedenmann und ich an dem Dienstag und Mittwoch andere Verpflichtungen gehabt haben, wollten wir in Donnerstag besuchen. Es war Altweiber gegen halb elf und wir haben auf der Arbeit gerade die üblichen Berliner gemampft, seitdem fällt es mir schwer Berliner zu essen, und ein Gläschen Sekt getrunken, da kam der Anruf von meiner Mutter. Das Blutbild von meinem Opa zerfällt und er wird wohl nicht mehr nach Hause kommen. Ich bin so froh, das mich dieser Anruf noch erreicht hat, ich war auf dem Weg kurz bei der Altweiberfeier auf unsere Arbeit vorbeizu schauen. Ich bin dann postwendend nach Hause, eine liebe Kollegin hat mich zum Bahnhof gebracht, damit es schneller geht und meine Schwester hat mich abgeholt und wir sind direkt zum Krankenhaus. Dort waren schon meine Mutter und meine Oma, mein Vater war unerreichbar in Köln.Wir waren dann nur kurz im KH und haben besproochen das meine Mutter bei meiner Oma bleibt, falls kein Platz für sie in der Kurzzeitpflege zu bekommen ist.Und das meine Mutter dann bei meiner Oma bleibt und meine Schwester nach Hause wegen ihres Geschäft bleibt und ich dann bei meinem Opa. Meine Schwester hat mich dann kurz nach Hause gebracht zum umziehen und dann noch zum Hausarzt genötig, der hat mir irgendwas gespritzt keine Ahnung fühlte sich aber gut an in dem Moment. Dann wieder ins KH, meine Schwester und meine Mutter zum Pflegedienst und versucht einen Platz in der Kurzzeitpflege zu bekommen.Meine Oma sollte auf keinen Fall die ganze Zeit dabei sein, weil sie damals schon sehr mit Bluthochdruck zu kämpfen hatte und einige Schlaganfälle gehabt hat und auch die ersten Anzeichen der Demenz. In der Zwischenzeit war ich alleine mit meinem Opa und es war wunderschön. Wir haben uns so eng verbunden gefühlt und ich habe seine Hand gehalten. Meine Mutter hatte natürlich keinen Platz bekommen, aber bis um 20 Uhr konnte meine Oma trotzdem da bleiben. Meine Mutter hat mich dann überredet mit meiner Schwester noch schnell was essen zu gehen. Wir wußten ja nicht wie lange noch alles dauern würde. Es konnte Stunden oder auch Tage daueren. Es hat aber nur noch kurz gedauert. Genau um 17.20 Uhr am 22.02.01, 15 Monate vor unsere Hochzeit, ist mein Opa für immer eingeschlafen im Beisein von meiner Mutter und einer Krankenschwester. Und genau zu dem Zeitpunkt habe ich zu meiner Schwester gesagt, Opa ist jetzt tot. Ich bin lange nicht darüber hinweg gekommen und auch heute tut es mir weh, dass ich nicht dabei war. Obwohl ich mittlerweile glaube, das mein Opa nicht wollte das er in meinem Beisein stirbt. Sein Tod hat mich sehr tief getroffen und es tut heute noch weh.
Da ich ja in der Kirche aktiv bin und auch gerne den Lektorendienst mache, habe ich mit dem Pfarrer der die Beerdigung gemacht hat ein Gebet geschrieben. Es hat doch Vorteile, wenn man die Pfarrer aus den Bezirken sehr gut kennt. Wir hatten dann beschlossen, sollte ich nicht in der Lage sein zu lesen, dann liest er das. Mit ging es auf der Beerdigung sehr, sehr schlecht. Ich war nur am Weinen vor und hinter und als der Sarg heruntergelassen, ich wäre am liebsten hinterhergesprungen. Aber die Lesung des Gebets habe ich geschafft, die hätte ich mir auch NIE nehmen lassen wollen.Es hat am Grab furchtbar gehagelt, aber das habe ich gar nicht mitbekommen, ich bin einfach nur zusammengebrochen. Ich muß wohl einen so schlimmen Eindruck gemacht haben, das der Pfarrer abends noch anrief um mich nach mir zu erkundigen.
Hier ist das Gebet, das viele wohl tief bewegt hat, wurde jedenfalls gesagt, und wir haben es bei den Danksagungen mit beigelegt.
Gott, Du Trost der Traurigen
Es ist so schwer, Abschied zu nehmen von einem Menschen, den wir geliebt haben.
Wir vermissen Dich sehr in unserer Mitte.
Und wir vermissen all das was uns mit Dir verbunden hat:
Wir vermissen die Stunden der Gemeinsamkeiten, Deine ruhige Fröhlichkeit, Dein besonderes Lächeln
und Deine verlässliche Beständigkeit.
Und wir vermissen, was uns an gemeinsamen Interessen besonders verbunden hat.
Es ist viel Traurigkeit ins unseren Gefühlen, aber es ist in allem Schemrz auch Ruhe und Dankbarkeit mit dabei
Wir sind dankbar, Gott, dass unser Opa mit uns gelebt hat. Wir sind dankbar für alles, was mit ihm in diese Welt hingekommen ist und sie für uns und viele andere bereichert hat.
Gott, Du hast uns auferlegt zu sterben und vergänglich zu sein.
Lehere uns bedenken, dass unsere Zeit hier miteinander begrenzt ist, auf das wir klug werden, das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden und unsere Zeit hier gut zu nutzen.
Hilf uns, den Tod nicht zu fürchten, das Leben aber zu lieben.
Mach uns den Raum weit jenseits des dunklen Ganges, durch den wir müssen.
Und nimm unseren lieben Verstorbenen in Deine guten Hände und sorge für ihn, wie wir es nicht mehr können.
Amen
Ich vermisse meinen Opa (geb. 06.03.1919, gest. 22,02.2001) noch immer sehr und er fehlt mir. Mit meiner Oma hatte ich nie einen guten Draht, ich war immer ein Opa-Kind. Meine Schwester hingegen ist dann das Oma-Kind. Aber auch nach 5 1/2 Jahren fällt mir der Gang zum Friedhof sehr, sehr schwer. Den schaffe ich auch nur mit Bärchen und er muß mich dabei wirklich festhalten, ich bekomme immer noch weiche Knie. Ich habe meinem Opa einen sehr, sehr langen Brief geschrieben und dieser wurde in seinen Sarg gelegt und mit im beerdigt.