Pünktlich zum November ist sie da, diese Traurigkeit. Ich kann mich dem die letzten Jahre nicht entziehen. Das Wetter ist trübe und meine Stimmung ist es auch. Und immer wieder sind da diese Gedanken, wenn alles gut gelaufen wäre….seit drei Jahren ich kann das nicht verwischen. Und schon gar nicht nach dieser Woche. Nichts wünschte ich mir gerade lieber als das unser Valentinchen gesund und munter durch die Wohnung laufen würde. Doch es bleibt Still. Ganz Still. Auch weil ich alleine bin. Der Schwedenmann hat einen Termin, den er nicht verschieben kann. Und sitze hier und bin traurig. Ablenken fällt mir schwer. Bei Monopoly verliere ich gerade eine Runde nach der anderen. Und natürlich mach ich mir Gedanken, wegen der histologischen Befunde. Obwohl mich das überhaupt nicht weiter bringt. Einsam fühle ich mich gerade, sehr einsam und alleine.
Wenn diese OP nicht gewesen wäre, würde ich ich jetzt im Zug in die Schweiz sitzen. Wie gerne wäre ich mitgefahren, aber das ist mir verwehrt geblieben. Gerade nach dieser Woche hätte ich den Besuch gebraucht. Meine Woche….beschissen war sie.
Montag
Ich fahre nach Wuppertal zur OP. Lust habe ich keine und meine Stimmung ist mies, sehr mies. Ich habe fürchterliche Angst, vor allen weil ich die Abläufe nicht kenne und Angst habe etwas falsch zu machen. Zuerst muss ich mich in der Verwaltung aufnehmen lassen und dann zur Station zum Aufnahmezimmer. Dort erstmal lange warten. Dann spreche ich kurz mit der OÄ vom letzen Mal und erfahre, das auch sie die OP macht. Dann wieder warten. Blutabnahme, die natürlich nicht reibungslos klappt, und dann ab aufs Zimmer. Die Zimmmer sind nett, klein und Klo und Bad auf dem Flur. Dann kommt die Ankündigung, die mich umhaut. Ich wußte das ich was zum Abführen bekomme. Das es 4 Liter des Ekelzeug sind, das war mir nicht bewußt. Ich bin wirklich, wirklich am Boden zerstört. Meine Mutter schmeiße ich zu dem Zeitpunkt raus und mache mich unter Tränen daran das Zeug irgendwie in mich zu schütten. Zwischendurch telefoniere. Meine Zimmernachbarin zieht ein. Eigentlich ganz nett, aber tröstet mich auch nicht wirklich. Gegen 14 Uhr habe ich zwei Liter geschafft und mein Bauch fängt ganz langsam an zu zicken. Der Vampir kommt zum Vorgespräch, der ist sehr nett und da er eine PJlerin mit dabei hat, erfahre ich mal wieder etwas Neues über die Schlafmethoden.
Dann stehen mir zwei weitere Liter bevor….ich kann kaum noch, ständig zum Klo, alles zu weh und nach dem ich den dritten Liter und Tränen in mich geschüttet habe, kann ich nicht mehr. Ich bin am Ende und kippe den letzten Liter einfach in den Ausguß.
Gegen fünf Uhr kommt mein lieber Schwedenmann und ich kann für kurze Zeit Kraft tanken. Richtig genießen können wir die Zeit nicht, da ich ständig zum Klo laufen muss. Die Nacht ist relativ unruhig. Ich habe Angst. Dran kommen soll ich an dritter Stelle, irgendwann zwischen halb zehn und elf Uhr.
Dienstag
Nach dem Duschen, natürlich habe ich die defekte Dusche erwischt…schön wen das Schild von aussen dran steht und die Türe offen steht, kommt ein Doc in mein Zimmer und fragt mich, ob ich in letzer Zeit eine Schwangersschaft gehabt hätte und die Anti-D-Spritze bekommen habe, sie hätten Anti-Körper gefunden. Das kann ich mit ja beantworten und schon ist der Doc wieder weg. Die nächste Ärztin kommt zum Zugang legen, und scheitert natürlich. Ich soll mich erstmal ins Bett packen und versuchen die Hände warm zu bekommen. Ewig kommt sie nicht wieder, aber vergessen hat sich mich leider nicht. Sie war zwischenzeitlich nur im Kreissaal zur Entbindung. Schade, da wäre ich auch lieber gewesen. Mit dem Kindergartenzugang erwischt sie dann doch eine Vene. Und sorgt noch kurz für Verwirrung, weil ich angeblich plötzlich an letzter Stelle dran komme…..aber das stellt sich als Irrtum raus, sie hatte noch den Stand von der ursprünglichen Planung, das wurde aber Montagabend noch gekippt. Dan heißt es warten. Gegen halb zehn bekomme ich meine Antibiose. Kurz drauf zum letzen Klogang und dann ab in den OP. Dank der Spritze mit der Prämedikation weiss ich nicht mehr wirklich viel, ausser das ich vor dem OP noch kurz warten mußte. Wie ich auf den Tisch und zürück gekommen bin, keine Ahnung. Die nächste bewußte Erinnerung ist, das ich im Aufwachraum liege und tierisch zum Klo muss. Die Bettpfanne habe ich abgelehnt. Und dann erstmal der Blick unter die Bettdecke, wie viele Pflaster finden sich….nur drei, also kein Bauchschnitt. Schmerzen habe ich gar keine und ich frage mich, ob die überhaupt was gemacht haben.
Auf Station durfte ich dann zum Klo, wenn auch nur zum Toilettenstuhl, nur…wenn zwei Schwestern da sind, dann kann ich auch nicht. Kaum waren die raus, ging es. Zwischendurch bin ich immer wieder eingeschlafen. Mit dem Abendessen kam die Stationsärztin und hat mir erzählt, das nur wenige Verwachsungen gefunden worden sind, ein Lebertumor weggeschnippelt worden ist und Proben von den Eierstöcken entnommen worden sind. Warum diese Proben entnommen worden sind, konnte sie mir nicht sagne und ich mache mir die ganze Nacht Gedanken. Auch der Schwedenmann kann diese Gedanken nicht verscheuen. Ich habe einfach Angst und versuche verzweifelt Dr. House zu erreichen, was aber nicht klappt und bin im nachhinein doch ganz froh darüber. Wie albern von mir ihn damit zu belästigen!! Nach Hause darf ich am Mittwoch, wie von mir angepeilt nicht. Dabei bin ich doch fit und tappere am Dienstag schon durch die Flure und selbst Treppensteigen ist kein Problem!!
Mittwoch
Noch vor dem Frühstück kommt die OÄ, die mich operiert hat. Und dann erfahre ich doch ein wenig mehr. Mein Eierstock war eingeklemmt zwischen Darm und Beckenwand, drum herum Verwachsungen. Das tut schon mal weh. Und ich denke mir, wie gut das wir die Darmspiegelung nicht gemacht haben. Von den Eierstöcken nimmt sie immer Proben und das auch nur wenig. Unschöner ist der Lebertumor, der alles und nichts sein kann. Zur Sicherheit wegen evtl Nachblutungen darf ich erstmal nicht frühstücken und muss zur Ambulanz zum US. Supi, wieder ein neuer Arzt und der drückt mir auch noch richtig nett auf dem frischoperierten Bauch rum. Da kommt echt Freude auf. Gefunden wurde nichts. Nach Hause soll ich erst am Freitag, finde ich gar nicht gut. Wenn es nach der anderen OÄ ginge, solle ich sogar bleiben bis die Histologie da ist.
Donnerstag
Bei der Visite erfahre ich dann, das es bei gelösten Verwachsungen am besten ist, viel Ruhe zu bewahren und sich zu schonen und nicht so viel zu laufen. Hätte man mir auch mal am Dienstag sagen können….den Tag verbringe ich dann halbwegs auf dem Bett und ich merke auch, mein Körper braucht das auch. Der Schwedenmann kann leider aus zeitlichen Gründen nicht kommen und ich bin schon sehr traurig. Leider vergessen sie bei mir die Blutabnahme und dann bin ich nur kurz einen Latte M. trinken und so wird die Abnahme auf den nächsten Morgen verschoben, wodurch ich länger am Freitag warten muss. Für mich bricht eine Welt zusammen, ich will nach Hause und zwar so schnell wie möglich. Ich heule zwei Stunden lang heimlich unter der Bettdecke. Soll ja keiner mitbekommen.
Freitag
Blutabnahme, und wie immer habe ich Schiss, aber es klappt fast ganz gut. Die Ergebnisse sollen gegen elf Uhr kommen und ich bin so ungeduldig. Aber ich bin bei der Visite auch ehrlich und sage, das die Schmerzen wieder mehr geworden sind und mein Darm und Eierstock sich wohl erst an den neuen Platz gewöhnen müssen. Um elf kommt die Stationsärztin und teilt mir mit, das die Blutwerte ok sind, aber die OÄ mich gerne bis Samstag da behalten möchte, weil dann ggf. die Befunde der Histologie da sind und man weiter planen könne. Öhm, was den weiter planen? Darauf hin hat sie auch keine Antwort. Ich habe dann gefragt, ob ich bleiben muss, da doch die operierende OÄ gesagt hat, das ich nach Hause darf. Und das das Problem mit dem Klo sich auch schon erledigt hat. Und dann….peinlich, aber ich kann das nicht zurückhalten, fange ich an zu weinen. Ich darf dann doch gehen. Sie haben mich freiwillig gehen lassen, auf eigene Verantwortung wäre ich auch nicht gegangen. Wegen der Histologie würde man mich anrufen….dann ab nach Hause und ich bin einfach nur froh. Auch wenn es mir sehr, sehr schwer fällt wirklich langsam zu machen.
Samstag
Endlich wieder im eigenen Bett, das nicht quitscht, geschlafen. Schmerzen sind da…vor allen der Oberbauch tut ganz schön weh. Auch der Eierstock mag wohl dort wo er liegt sich nicht wohlfülhen…und dann wieder die Gedanken…ist es doch der Darm gewesen? Hätte ich die Darmspiegelung ansprechen sollen….das Zeug gesoffen habe ich ja…..aber jetzt ist es eh zu spät.
Morgen muss ich die Pflaster entfernen, genäht worden ist nicht, davor habe ich ganz schön Schiss…aber auch da mus sich durch. Am liebsten wäre mich jetzt die Badewanne, aber das geht ja nicht.