Das Schicksal schlägt zu, und die eigenen Probleme werden wieder so klein. Ich bin national für eine Bundesvereinigung, die sich für Jugendliche und Erwachsene mit angeborenem Herzfehler engagiert, ehrenamtlich tätig, und da ich im Bundesvorstand bin, habe ich auch Kontakt zu den anderen europäischen Gruppen mit dieser Zielgruppe. Eine Tätigkeit, die mich davon abhält, für den Kinderwunsch politisch tätig zu werden, da ich nicht an zwei Kriegsschauplätzen kämpfen möchte. Die Arbeit für uns erwachsene Herzkinder holt mich auch regelmäßig wieder auf den Boden der Tatsachen, was meine eigene Kinderwunschgeschichte angeht. Vor zwei Wochen ist die Leiterin der belgischen Gruppe bei der seit über einem Jahr geplanten Herz-Lungen-Transplantation gestorben. Astrid hatte endlich den Mut gefasst gehabt, sich darauf einzulassen, weil ihr Lebenspartner schon seit Jahren gut mit seiner transplantierten Lunge zurecht kommt. Sie selbst hat’s nicht geschafft, was mich sehr traurig machte, denn auf einer Konferenz in Norwegen 2006 habe ich ihr noch Mut zu diesem Schritt gemacht, denn auch ohne die Transplantation hätte sie’s nicht mehr lang gepackt. Heute hat mich dann unser Kontaktmann der britischen Organisation angerufen und mir gesagt, dass die Leiterin der Walisischen Gruppe heute nacht gestorben war. Auch Laura kannte ich gut, sie hatte erst vor 2 Jahren geheiratet.
Beide Frauen durften nicht schwanger werden, sie waren zu krank, um eine Schwangerschaft überleben zu können. Ich weiß von beiden, dass sie darunter sehr gelitten haben. Nicht die Wahl zu haben, sich für oder gegen Kinder zu entscheiden, ist noch mal eine Kategorie mieser als nicht auf natürlichem Weg schwanger werden zu können. Dieser Zustand zeigt mir immer wieder, wie wertvoll es ist, überhaupt schwanger werden zu dürfen, auch wenn’s nicht so einfach klappt, aber ich habe noch die Zeit, es zu werden, da ich noch jung bin und ich darf schwanger werden, da mein Herzfehler einfach ein wenig fairer zu behandeln war als der von anderen. Und sollte mein Kind das 8-fach erhöhte Risiko eines Herzfehlers im Gegensatz zu Kindern gesunder Eltern mitnehmen, kann ich ihm entsprechend die eigene Erfahrung mitgeben, wie man mit einem geflickten Herzen zurechtkommt und es hat die Chance, von über 30 Jahren Erfahrungen der Kinderherzchirugie besser zu profitieren, als meine beiden Freundinnen es konnten, die zu Zeiten geboren wurden, wo man noch ziemlich viel experimentiert hat…
Ich bin traurig und ich geh jetzt erst mal Mittag essen und trinke ein Glas Prosecco auf Laura, weil ich weiß, dass sie Prosecco genauso gern mochte, wie ich.