2005-07 – Pause und Kryo
Nachdem die zwei Versuche aus 2004 nichts geworden waren, ich mehr und mehr Gefahr lief in Richtung Depression abzudriften, die Schnauze gestrichen voll hatte von Hormonen, mein Zyklus anfing, sich azyklisch zu verhalten, lauter Menschen um mich herum anfingen sich zu vermehren, kam mir die “Flucht” nach Brüssel gerade Recht. Weit weg von Familie, brütenden Freundinnen, sich sorgenden (Schwieger-)Müttern, hatte ich genau die richtige Umgebung, um mich wieder zu finden und neu zu erfinden. Mein Lebenstraum war geplatzt; meine ganze Lebensplanung plötzlich futsch und meine Existenzberechtigung plötzlich in Frage gestellt. Was soll ich denn jetzt machen? Wie soll es weiter gehen? Kann ich mir mich ohne Kind überhaupt vorstellen? Werde ich denn von anderen so überhaupt angenommen? Kann ich mich selbst so annehmen?
Zwei Jahre hat es gedauert, bis ich mich in meiner Haut, in meinem Leben wieder wohl gefühlt habe, mich selbst gefunden und lieben gelernt habe. Und bis ich die Schäden, die die ICSI-Hormone in meinem Körper angerichtet haben wieder geheilt hatte. Bis heute hab ich in den ersten 24 Stunden der Mens Mörderschmerzen. Die exakt nach 24 Stunden wie weggeblasen sind und die Blutung sich “normal” verhält. Vor der KiWu-Behandlung gab’s zwar auch Schmerzen, aber nie so, dass ich heulend und jammernd auf und ab laufen musste und nicht wusste wie ich sitzen, stehen, liegen soll. Langsam wird’s besser – liegt vielleicht auch am Sport, den ich vor kurzem für mich entdeckt habe.
Und jetzt?
Jetzt geht’s weiter.
Weiter auf dem Weg zum eigenen Kind; weiter, einen Herzenswunsch zu erfüllen; weiter, das Leben zu leben und zu nehmen wie es kommt.
Ende Oktober starten wir unseren ersten und einzigen Kryo-Versuch.
Wir wissen ungefähr, was auf uns zukommen wird, gehen aber trotzdem mit Herzklopfen an diesen “letzten” Versuch auf ein mit uns beiden genetisch verwandtem Kind.
Kryotransfer geglückt, beide sind aufgewacht und haben sich wunderbar geteilt. Die innere Einstellung wird auf positiv geschaltet und wir hoffen – wie immer – das Beste.
Ende November macht ein negativer Bluttest die jüngste Hoffnung endlich ein Kind zu erwarten zunichte. Jetzt sammeln wir uns erst einmal und fangen mit den Vorbereitungen für HI an. Das lenkt ab und gibt wieder Hoffnung. Nach dem Versuch ist vor dem Versuch
Das Jahr 2007 geht zuende mit der Gewissheit auf dieser Ebene “alles” getan zu haben, was möglich war.