2004 - vom Auf und Ab
Weiter ging’s.
Den ersten Schock hinter uns lassend, überlegten wir dann, wie wir mit dieser Situation weiter umgehen sollten und wollten. Viele werden das Dilemma kennen. Behalten wir es für uns, weihen wir nur die engsten Freunde ein, oder nur die Familie? Veröffentlichen wir die Diagnose oder sagen wir nur “Bei uns ist das mit dem Kinder kriegen nicht so einfach.”?
Der Hase war FANTASTISCH in dieser Zeit. Obwohl es “seine” Unfruchtbarkeit ist, hat er mir die Entscheidung überlassen. Ihm war es gleich, ob wir offen oder geheim damit umgehen. Da ich ja eher der Typ “erst reden, dann denken” und “trag das Herz auf der Zunge” bin, haben wir uns/habe ich mich für einen offensiven zuweilen vielleicht auch aggressiven Umgang mit dem Thema entschieden.
Wir haben nach und nach mit Familie und Freunden gesprochen und ihnen erzählt, was genau in den nächsten Monaten passieren wird und was so an physischem und psychischem Stress auf uns zukommt. Das mit dem psychischen Stress haben wir allerdings wahnsinnig unterschätzt. Die körperlichen Belastungen waren lästig und zuweilen einschränkend aber bei weitem nicht so hoch wie die seelischen.
Richtig los ging’s Ende Juni 2004 mit dem Erstgespräch. Von hier aus wurden wir dann erst mal zur “humangenetischen Abklärung” geschickt. Den Termin hatten wir schnell, Anfang Juli, und auch die Ergebnisse lagen nach 14 Tagen vor (unfauffällig), so dass ich dann Mitte August die Blockadespritze bekam und wir mit unserem ersten ICSI-Zyklus starten konnten. 16 lange Tage lang habe ich mir Gonal F und Menogon gespritzt, um dann am Ende 4 Eizellen punktiert zu bekommen, aus denen sich dann letztendlich 2 zu morphologisch irreguläre Embryonen entwickelten, die ich dann einen Tag nach unserem dritten Hochzeitstag zurück bekam. Das Hoffen, Bangen und Warten begann, hCG hab ich mir auch noch gespritzt. Am 27.9.04 war dann mit einem Anruf alle Hoffnung dahin.
NICHT SCHWANGER!!!
Ich hab erst mal geheult, der Hase auch. Dann haben wir uns gegenseitig Mut gemacht. Der erste Versuch, nächstes Mal klappt’s besser, wird schon werden, usw., usw. Das, was man eben so sagt, damit man nich ganz im Tal der Tränen verloren geht.
Nach dem Gespräch mit der Ärztin haben wir uns erst mal gut 2 Monate Pause gegönnt, bevor das ganze Prozedere von vorne losging.
Ende November 04 die nächste Blockadespritze. So lange hält das Langzeit-Depot dann auch wieder nicht. Dieses Mal nur 12 Tage lang Spritzen, dafür aber erhöhte Dosis. An der Punktion 7 Eichen entnommen, 4 ließen sich befruchten und 2 (wieder morphologisch irregulär) bekam ich kurz vor Weihnachten zurück. Die anderen beiden liegen bis heute auf Eis…
Über Weihnachten hingen der Hase und ich wieder zwischen Hoffen und Bangen. Dieses Mal hatte es bestimmt geklappt, wie sollte es auch anders sein, in dieser Zeit werden doch Wünsch wahr, oder nicht? ODER NICHT!!!
Am 29.12. wieder so ein ätzendes Telefonat und die vernichtende Antwort von der Sprechstundenhilfe (oder wie auch immer das politisch korrekt bezeichnet wird). Wenigstens war Silvester nicht mehr weit und ich konnte hemmungslos Alkohol in mich hineinschütten. Den guten und teuren Rotwein von meinem Schwager C. Danke noch mal dafür, lieber Schwager!!!
Im Januar war dann noch ein “Abschlussgespräch” mit der Ärztin, in dem sie uns dann mitteilte, dass unsere Chancen mit den Spermien vom Hase doch eher schlecht stehen. Von meiner Seite würde es wohl eher keine Probleme geben, es läge vielmehr an der grottenschlechten Spermienqualität meines Hasen.
Zum zweiten Mal im Leben spürte ich, wie der Hase neben mir erstarrte und ich wand mich innerlich. Als wir dann noch erwähnten, dass wir eventuell Adoption in betracht ziehen würde, fragte die Ärztin, ob nicht HI eventuell auch eine Lösung für uns wäre. Dann wäre wenigstens einer von uns mit dem Kind genetisch verwandt (als ob das das wichtigste am Kinderwunsch ist) und wir hätten das Erlebnis der Schwangerschaft.
Naja, weder das eine noch das andere stand in nächster Zukunft auf dem Plan. Wir hatten Umzugspläne und wollten sowieso nach diesen zwei gescheiterten Versuchen eine längere Pause machen. Zu allem Überfluss war dann auch noch eine Freundin, die im September geheiratet hatte im ersten Versuch schwanger geworden! (Baby kam Ende August 05) Ich war bedient, hatte den Kanal richtig voll und wollte von Babys, Kindern, Eizellen, Spermien, Hormonen etc, nichts mehr hören und sehen. Also zogen wir im März nach Brüssel und ich igelte mich zwei Jahre lang richtig ein.
Ein weiteres Brett verpasste mir meine beste Freundin, die (nach langer Wartezeit auf’s dritte Kind inkl. drei Fehlgeburten) wieder schwanger wurde. (Baby kam Ende Oktober 05; ist jetzt mein allerliebstes Patenkind
) Und die Krönung war dann meine Schwägerin, die im April geheiratet hat und im Juli verkündete, dass sie schwanger ist. (Baby kam dann im Januar 06 etwas zu früh). Gott, war ich froh von allen mindestens 400 km entfernt in Brüssel zu sitzen und Kontakt nur haben zu müssen, wenn ich das wollten.